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Folge 2 · Hallo KI – der Podcast
Der Satz, der jede Antwort besser macht
Erschienen am 01.10.202618 MinutenZum Nachlesen springen
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Es gibt keine geheimen Formeln für gute Prompts, aber wie du fragst, macht trotzdem einen großen Unterschied. Katja und Jens zeigen, warum die erste Antwort oft so durchschnittlich ausfällt und wie du mit Lage, Ziel, Empfänger und Form gegensteuerst. Dazu kommen Rollen, Beispiele und das Gespräch, das du mit der KI führst, statt nur eine Frage abzuschicken. Am Ende streiten die beiden darüber, welcher Satz fast jede Antwort besser macht.
In dieser Folge:
- Warum ohne deine Angaben die Durchschnittsantwort kommt
- Die vier Zutaten: Lage, Ziel, Empfänger, Form
- Rollen geben und Beispiele mitschicken
- Das Gespräch führen statt nur fragen, mit dem Joker „Stell mir zuerst die Fragen, die du brauchst“
- Mythen rund ums Prompten und ein Kniff für Fortgeschrittene
Prompts zum Mitnehmen:
Du musst etwas schreiben oder planen und weißt selbst noch nicht genau, wie:
„Ich möchte eine Nachricht an die Nachbarn in unserem Haus schreiben, weil wir ein Hoffest planen. Bevor du anfängst, stell mir die Fragen, die du brauchst, um das richtig gut zu machen. Höchstens fünf, eine nach der anderen.“
Ein Text soll nach dir klingen und nicht nach Maschine (zwei eigene Nachrichten ohne Namen darunter einfügen):
„Hier sind zwei Nachrichten, die ich selbst geschrieben habe. Achte darauf, wie ich formuliere: Satzlänge, Ton, wie ich anfange und aufhöre. Schreib dann eine Einladung zu meinem Geburtstagsessen in genau diesem Ton. Übernimm nur den Stil, nicht den Inhalt.“
Du hast einen Entwurf, und irgendwas stimmt noch nicht:
„Sei ein strenger, aber fairer Lektor. Nenne mir die drei größten Schwächen dieses Textes, jeweils mit einem Satz Begründung. Ändere noch nichts, bevor ich zugestimmt habe.“
Du musst eine heikle Nachricht schreiben und weißt nicht, welcher Ton passt:
„Schreib mir drei deutlich unterschiedliche Fassungen dieser Nachricht: eine sachlich und knapp, eine herzlich, eine bestimmt. Sag zu jeder in einem Satz, wann sie am besten passt.“
Das ganze Gespräch zum Nachlesen
Zum Mitlesen, Nachschlagen oder Ausdrucken. Im Podcast duzen sich Katja und Jens, deshalb steht es hier auch so. Grundlage ist das Sendeskript; in der gesprochenen Fassung kann ein Wort abweichen.
Kaltstart
Jens: Katja, ich hab gestern eine Anzeige gesehen. Prompt-Kurs, zwölf Module, mit Zertifikat. „Die geheimen Formeln der Profis.“ Jetzt sag du mir: Ist das ein Beruf oder ist das Hokuspokus?
Katja: Halb und halb. Es gibt keine geheimen Formeln. Kein Zauberwort, das die KI plötzlich schlauer macht.
Jens: Also Hokuspokus.
Katja: Nicht ganz. Denn wie du fragst, macht trotzdem einen riesigen Unterschied. Nur ist das kein Geheimwissen. Das ist eher so, wie man einer neuen Kollegin am ersten Tag einen Auftrag gibt.
Jens: Das musst du mir erklären. Und zwar so, dass ich danach keinen Kurs mehr brauche.
Katja: Deal. Und am Ende der Folge sage ich dir, welcher eine Satz fast jede Antwort besser macht.
Begrüßung
Katja: Hallo und willkommen bei Hallo KI. Ich bin Katja.
Jens: Und ich bin Jens. Wie immer vorneweg: Katja und ich sind KI-Stimmen, die Inhalte prüft Dominik von Hallo KI.
Katja: Letztes Mal ging es darum, was so ein Sprachmodell überhaupt ist. Und du hattest eine Aufgabe. Eine echte Frage aus deinem Alltag, bei der du selbst Bescheid weißt, und dann zweimal nachhaken.
Jens: Hab ich gemacht. Ich hab nach einer Sache aus Excel gefragt, die ich seit Jahren im Schlaf mache. Die erste Antwort war richtig, aber so allgemein, als hätte ich noch nie eine Tabelle gesehen. Beim ersten Nachhaken hab ich gesagt, dass ich das täglich nutze und nur den Kniff für einen Sonderfall will. Da wurde es plötzlich brauchbar. Und beim zweiten Nachhaken, als es ins Detail ging, hat sie mir einen Menüpunkt genannt, den es bei mir so gar nicht gibt.
Katja: Das ist ein perfekter Bericht. Da steckt die halbe Folge drin.
Jens: Wieso?
Katja: Weil die Antwort erst gut wurde, als du gesagt hast, wer da fragt und was du brauchst. Genau darum geht es heute. Nicht ums Nachhaken hinterher, sondern darum, was du gleich am Anfang hineinschreibst. Und warum das so viel ausmacht.
Warum die erste Antwort so durchschnittlich ist
Katja: Fangen wir beim Warum an. Erinnerst du dich, wie so ein Sprachmodell arbeitet?
Jens: Es sagt Wort für Wort voraus, was am wahrscheinlichsten als Nächstes kommt. Das hattet ihr mir letztes Mal eingetrichtert.
Katja: Genau. Und jetzt denk das mal zu Ende. Wenn du nur zwei Stichwörter eintippst, zum Beispiel „Mail Absage“, was ist dann die wahrscheinlichste Antwort?
Jens: Die Absage, die am häufigsten geschrieben wird. Die Durchschnittsabsage.
Katja: Die Durchschnittsabsage. Höflich, ein bisschen steif, passt auf alles und damit auf nichts. Das ist kein Fehler der KI, sie hat nur nichts anderes, woran sie sich halten kann. Jede Angabe, die du dazuschreibst, schiebt die Antwort weg vom Durchschnitt und hin zu dir.
Jens: Das erklärt einiges. Ich hab das am Anfang gemacht wie bei einer Suchmaschine. Drei Wörter, Enter. Weil ich dachte, die Maschine kommt sonst durcheinander.
Katja: Machen fast alle so. Stell dir lieber eine neue Kollegin vor. Hochintelligent, hat unfassbar viel gelesen. Aber es ist ihr erster Tag. Sie kennt dich nicht und deine Leute nicht.
Jens: Und ich leg ihr einen Zettel hin: „Absage schreiben.“
Katja: Und was kommt zurück?
Jens: Irgendwas. Mit freundlichen Grüßen.
Katja: Siehst du. Und niemand würde sagen, die Kollegin ist dumm. Ihr fehlen die Angaben. Genau so ist es mit der KI. Was du nicht sagst, kann sie nicht wissen.
Jens: Das klingt banal.
Katja: Ist es auch. Und trotzdem vergessen es fast alle. Die KI hat unendlich Geduld für deine Erklärungen, aber null Ahnung von dem, was du ihr verschweigst.
Lage, Ziel, Empfänger, Form
Jens: Gut. Was gehört auf den Zettel für die neue Kollegin?
Katja: Vier Dinge. Erstens die Lage. Also nicht, wer du bist, sondern die Umstände, unter denen du diese eine Frage stellst. Zweitens das Ziel, und zwar als Ergebnis. Drittens der Empfänger, also für wen das ist. Und viertens die Form.
Jens: Lass mich das mal an einem echten Fall durchspielen, sonst bleibt es Theorie. Sagen wir, ich bin im Sportverein und soll dem Vorstand absagen. Die wollen, dass ich nächstes Jahr die Kasse übernehme. Ich will aber nicht.
Katja: Schön, das nehmen wir. Die Lage wäre?
Jens: Dass ich seit Jahren dabei bin, gern helfe, aber beruflich gerade keinen Kopf für ein Amt habe. Und dass ich die Leute mag und keinen vor den Kopf stoßen will.
Katja: Genau das. Und das Ziel?
Jens: Eine Absage.
Katja: Da hake ich ein. Das ist das Thema, nicht das Ergebnis. Stell dir vor, die Antwort liegt schon ausgedruckt vor dir. Was steht auf dem Blatt?
Jens: Eine kurze Mail an den Vorsitzenden, die klar Nein sagt, aber anbietet, dass ich beim Sommerfest weiter mit anpacke.
Katja: Siehst du den Unterschied? Jetzt weiß die KI, was am Ende rauskommen soll. Und nicht nur, worum es geht. Der Empfänger?
Jens: Der Vorsitzende. Den duze ich, der ist eher locker, aber er nimmt so was schnell persönlich.
Katja: Und das ist Gold wert. Derselbe Inhalt klingt völlig anders, je nachdem, wer ihn liest. Einem Lockeren, der schnell beleidigt ist, schreibst du anders als einer förmlichen Geschäftsstelle. Und die Form?
Jens: Kurz. Höchstens fünf Sätze. Kein Roman, keine Entschuldigungsarie.
Katja: Perfekt. Und jetzt hör dir mal an, was du da gerade gebaut hast. Vier, fünf Sätze, alles Dinge, die du sowieso weißt. Du musstest nur aufschreiben, was du im Kopf hast.
Jens: Und das mit der Form. Das hätte ich früher weggelassen. Weil ich dachte, die KI weiß schon, wie lang eine Mail ist.
Katja: Weiß sie nicht. Sie neigt dazu, aus allem einen Aufsatz zu machen. Stichpunkte, Tabelle, höchstens hundert Wörter: sag es einfach. Die Form ist die Zutat, die am schnellsten hilft und am häufigsten fehlt.
Jens: Eine Frage noch dazu. Muss ich immer alle vier nehmen? Ich will ja nicht vor jeder Frage einen Aufsatz schreiben.
Katja: Nein. Bei „Wie lange kocht ein Ei?“ brauchst du keine Lage. Die Faustregel ist: Je persönlicher das Ergebnis sein soll, desto mehr Lage brauchst du. Bei einer Sachfrage reicht oft die Form. Bei einem Text, der nach dir klingen soll, brauchst du alle vier.
Rollen und Beispiele
Katja: Jetzt kommen zwei Kniffe, die über die vier Zutaten hinausgehen. Der erste: Du kannst der KI eine Rolle geben.
Jens: Das ist genau das, was in diesen Kursen verkauft wird. „Du bist ein Weltklasse-Marketingexperte mit dreißig Jahren Erfahrung.“ Ich halte das für Theater.
Katja: Teilweise hast du recht. Die Rolle ändert nicht, was die KI weiß. Durch den Satz wird sie nicht schlauer. Was sich ändert, sind Blickwinkel und Ton. Welche Wörter sie wählt, worauf sie achtet, was sie weglässt.
Jens: Also Kostüm, nicht Ausbildung.
Katja: Genau. Man kann es sich so vorstellen: Du ziehst dem Lehrling einen weißen Kittel an. Dann redet er wie ein Apotheker. Aber im Kittel steckt immer noch der Lehrling. Und da wird es heikel. Wenn du schreibst „Du bist ein Reiseführer, der die Ostsee wirklich kennt“, dann spielt sie das. Und erfindet die Ortskenntnis gleich mit.
Jens: Das ist ja fast schlimmer als gar keine Rolle.
Katja: Deshalb nehme ich Rollen, die eine Haltung beschreiben, nicht eine Erfahrung. Mein Lieblingsbeispiel: „Sei mein strenger Korrekturleser. Sag mir ehrlich, was an diesem Text unklar ist.“ Das ist keine erfundene Qualifikation, das ist ein Auftrag, wie sie hinschauen soll.
Jens: Und das bringt wirklich was?
Katja: Ohne Rolle bekommst du oft ein freundliches „Sieht gut aus“. Mit dem strengen Korrekturleser bekommst du die schiefen Stellen.
Jens: Okay. Und der zweite Kniff?
Katja: Beispiele. Das ist für mich der am meisten unterschätzte Trick überhaupt. Zeigen schlägt Beschreiben.
Jens: Heißt?
Katja: Du kannst lange erklären, wie du schreibst. „Eher locker, kurze Sätze, ein bisschen trocken.“ Oder du kopierst zwei Nachrichten hinein, die du selbst geschrieben hast, und sagst: „So klinge ich. Schreib die neue in diesem Ton.“ Das Sprachmodell ist ein Meister im Muster-Erkennen. Aus zwei Beispielen liest es mehr heraus als aus zehn Adjektiven.
Jens: Das gefällt mir, weil es genau das Problem löst, das ich mit KI-Texten habe. Die klingen alle gleich. So glatt.
Katja: Und genau dagegen hilft es. Mit einer Warnung: Die KI übernimmt dann manchmal zu viel. Nicht nur den Ton, auch Formulierungen oder sogar Inhalte aus dem Beispiel. Deshalb sag dazu: „Übernimm nur den Ton, nicht den Inhalt.“
Jens: Und das geht vermutlich auch für die Form. Wenn ich eine Liste in einem bestimmten Aufbau will, schreib ich die erste Zeile selbst vor, und sie macht den Rest genauso. So mach ich das in Excel ja auch. Erste Zeile von Hand, dann runterziehen.
Katja: Genau das Prinzip.
Das Gespräch führen statt nur fragen
Jens: So. Jetzt hab ich die vier Zutaten, eine Rolle und ein Beispiel. Und trotzdem gibt es Tage, da weiß ich selbst nicht so genau, was ich will. Ich hab nur so ein Gefühl.
Katja: Und dafür gibt es den Joker. Du beschreibst grob, worum es geht, und hängst einen Satz dran: „Stell mir zuerst die Fragen, die du brauchst, um das richtig gut zu machen.“
Jens: Und dann fragt sie mich aus?
Katja: Dann fragt sie dich aus. Für wen ist das? Wie lang soll es werden? Was ist dir wichtig? Was soll auf keinen Fall drinstehen? Sie holt sich die vier Zutaten bei dir ab, ohne dass du an die vier Zutaten denken musst.
Jens: Das dreht die Sache ja komplett um. Nicht ich muss wissen, was die KI braucht. Sie sagt es mir.
Katja: Genau. Schreib nur dazu „höchstens fünf Fragen“. Sonst kommt manchmal ein Fragebogen mit fünfzehn Punkten.
Jens: Gut. Nächstes Problem. Die Antwort ist da, und sie ist okay. Nicht schlecht, nicht toll. Was mach ich dann? Letztes Mal hieß es ja: nachhaken.
Katja: Ja, aber gezielt. „Mach es besser“ ist wie beim Friseur „Irgendwie anders“. Da kommt wieder Zufall raus. Sag, was genau dich stört. „Der zweite Absatz ist zu entschuldigend.“ „Der Schluss klingt nach Werbeprospekt.“ Je genauer die Kritik, desto besser die nächste Fassung.
Jens: Und wenn ich gar nicht weiß, was mich stört? Nur, dass es mich stört?
Katja: Dann dreh es wieder um. Lass die KI den eigenen Text kritisieren. „Nenne mir die drei größten Schwächen dieses Entwurfs, bevor du irgendetwas änderst.“
Jens: Kritisiert die sich denn selbst? Die findet doch alles toll, was sie schreibt. Das ist mir schon aufgefallen, die lobt auch meine Texte über den grünen Klee.
Katja: Ja, das ist eine echte Schwäche. Die KI ist von Haus aus ein bisschen ein Schmeichler. Sie wurde darauf trainiert, dass Menschen mit ihren Antworten zufrieden sind, und Lob macht zufrieden. Deshalb musst du Kritik ausdrücklich bestellen. Wenn du fragst „Ist das gut so?“, hörst du fast immer Ja. Wenn du fragst „Was sind die drei größten Schwächen?“, bekommt sie einen Auftrag, und den erfüllt sie.
Jens: Das merk ich mir. Nicht fragen, ob es gut ist. Fragen, was schlecht ist.
Katja: Und der dritte Handgriff: Varianten. Statt einer Antwort verlangst du drei. „Gib mir drei deutlich unterschiedliche Fassungen.“ Das Wort „deutlich“ ist wichtig, sonst bekommst du dreimal dasselbe mit vertauschten Sätzen.
Jens: Und dann such ich mir eine aus?
Katja: Oder du nimmst den Anfang von der ersten und den Schluss von der dritten und sagst: „Kombinier das.“ Das ist oft der schnellste Weg zu etwas, das nach dir klingt.
Jens: Jetzt kommt mein Einwand. Ich hab bei meinem Excel-Versuch gemerkt, dass so ein Gespräch irgendwann auch unübersichtlich wird. Nach zehn Runden hin und her war ich selbst verwirrt.
Katja: Und sie auch. In sehr langen Gesprächen gehen frühe Angaben manchmal unter, und alte Fassungen vermischen sich mit neuen. Dann hilft ein Neustart mit Gepäck.
Jens: Lass mich raten. Ich lass mir zusammenfassen, was wir bis jetzt festgelegt haben, kopier das in ein neues Gespräch und mach dort sauber weiter. Wie eine Übergabe beim Schichtwechsel.
Katja: Genau so. Und eins nach dem anderen. „Plan die Reise, schreib die Einladungen, mach ein Budget“ in einem Rutsch wird zu allem ein bisschen und zu nichts richtig.
Mythen und ein letzter Profi-Kniff
Jens: Darf ich ein paar Sachen loswerden, die man so hört? Erstens: Je länger der Prompt, desto besser.
Katja: Nein. Je passender, desto besser. Drei Sätze mit den richtigen Angaben schlagen eine Seite Geschwafel. Überflüssiges kann die KI sogar auf falsche Fährten führen. Wenn du in einem Nebensatz erwähnst, dass es draußen regnet, taucht der Regen womöglich im Text auf.
Jens: Zweitens, und den beantworte ich selbst: Man muss auf Englisch fragen. Quatsch. Wer eine deutsche Mail haben will, fragt auf Deutsch. Drittens: Man muss sagen, was die KI nicht tun soll. „Keine Floskeln. Kein Fachchinesisch.“
Katja: Das hilft ein bisschen, aber besser ist, zu sagen, was du stattdessen willst. „Schreib so, wie man es einem Bekannten am Gartenzaun erzählen würde“ gibt eine Richtung.
Jens: Und jetzt der Profi-Kniff, den du mir versprochen hast?
Katja: Lass die KI deinen Prompt schreiben. Du beschreibst ganz locker, was du vorhast, und schreibst dazu: „Formuliere daraus eine Anfrage an dich selbst, mit der du das bestmögliche Ergebnis lieferst. Zeig sie mir, bevor du loslegst.“
Jens: Die KI schreibt sich ihren eigenen Auftrag?
Katja: Ja. Und du siehst dabei, was sie für wichtig hält. Oft steht da eine Angabe drin, an die du gar nicht gedacht hast. Nebenbei lernst du so, wie gute Anfragen aussehen.
Jens: Also ist die ganze Kunst eigentlich: sich trauen, mit der Maschine zu reden wie mit einem Menschen, dem man was erklärt.
Katja: Ja. Mit einem Menschen, der klug ist, aber nichts von dir weiß. Was du nicht sagst, kann sie nicht wissen.
Ist das sicher?
Jens: Und jetzt meine Pflichtfrage. Du sagst die ganze Folge: Erzähl der KI mehr. Da klingelt bei mir sofort was.
Katja: Zu Recht. Erst die Kosten: In den kostenlosen Versionen kostet Fragen nichts, egal wie lang. Bei sehr viel Nutzung bremsen manche Anbieter aus, aber für alles von heute reicht das.
Jens: Zweitens, die Daten. Ich versuch's mal selbst. Rein gehört, was die Antwort besser macht: die Lage, der Ton, für wen. Nicht rein gehört, was einen Menschen erkennbar macht: voller Name, Adresse, Kontonummer, Aktenzeichen. „Der Vorsitzende“ reicht. Seinen Namen setze ich am Ende selbst ein.
Katja: Genau so. Die Postkarten-Regel: Nichts eintippen, was du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest. Und bei den Beispielen, die du mitgibst, gilt das auch. Wenn du alte Nachrichten hineinkopierst, vorher Namen und Nummern rausnehmen.
Jens: Und im Job? Da wäre das mit den Beispielen ja besonders verlockend. Alte Mails an Kunden rein, neue raus.
Katja: Und genau da ist Vorsicht Pflicht. Im Job nur, was der Arbeitgeber erlaubt. Keine Kundendaten, keine internen Zahlen, keine vertraulichen Mails. Viele Firmen haben dafür inzwischen Regeln oder eigene Programme. Frag lieber einmal zu viel nach.
Jens: Und drittens: Die Verantwortung bleibt bei mir.
Katja: Immer. Die KI liefert den Entwurf. Gelesen, geprüft und abgeschickt wird von dir. Und bei Gesundheit, Geld und Recht bereitet sie vor, entscheiden tut ein Mensch.
Prompts zum Mitnehmen
Katja: Jetzt die Prompts zum Mitnehmen. Der erste ist der Joker aus dieser Folge. Situation: Du musst etwas schreiben oder planen und weißt selbst noch nicht genau, wie. Der Wortlaut: „Ich möchte eine Nachricht an die Nachbarn in unserem Haus schreiben, weil wir ein Hoffest planen. Bevor du anfängst, stell mir die Fragen, die du brauchst, um das richtig gut zu machen. Höchstens fünf, eine nach der anderen.“
Jens: Und warum der funktioniert: Die KI holt sich die Lage, das Ziel, den Empfänger und die Form selbst bei dir ab. Und „eine nach der anderen“ sorgt dafür, dass es ein Gespräch wird und kein Formular.
Jens: Der zweite ist meiner, weil ich die glatten KI-Texte nicht mag. Situation: Ein Text soll nach dir klingen und nicht nach Maschine. Der Wortlaut: „Hier sind zwei Nachrichten, die ich selbst geschrieben habe. Achte darauf, wie ich formuliere: Satzlänge, Ton, wie ich anfange und aufhöre. Schreib dann eine Einladung zu meinem Geburtstagsessen in genau diesem Ton. Übernimm nur den Stil, nicht den Inhalt.“ Und dann fügst du die zwei Nachrichten darunter ein, ohne Namen und Nummern.
Katja: Warum er funktioniert: Zeigen schlägt Beschreiben. Aus zwei echten Beispielen liest die KI mehr über deinen Stil als aus jeder Beschreibung.
Katja: Der dritte ist der strenge Korrekturleser. Situation: Du hast einen Entwurf, egal ob von dir oder von der KI, und irgendwas stimmt noch nicht. Der Wortlaut: „Sei ein strenger, aber fairer Lektor. Nenne mir die drei größten Schwächen dieses Textes, jeweils mit einem Satz Begründung. Ändere noch nichts, bevor ich zugestimmt habe.“
Jens: Warum er funktioniert: Die KI lobt von sich aus zu gern. Mit dem Auftrag, Schwächen zu finden, bekommst du ehrliche Kritik. Und weil sie erst mal nichts umschreibt, entscheidest du, was geändert wird.
Jens: Und der vierte für den Moment, wenn du dich nicht entscheiden kannst. Situation: Du musst eine heikle Nachricht schreiben, eine Absage, eine Beschwerde, eine Bitte, und weißt nicht, welcher Ton passt. Der Wortlaut: „Schreib mir drei deutlich unterschiedliche Fassungen dieser Nachricht: eine sachlich und knapp, eine herzlich, eine bestimmt. Sag zu jeder in einem Satz, wann sie am besten passt.“
Katja: Warum er funktioniert: Du siehst nebeneinander, wie derselbe Inhalt in drei Tönen klingt. Meistens merkst du sofort, welche passt. Und die Begründung hilft dir, das nächste Mal selbst zu wählen.
Dein nächster Schritt
Jens: Und was ist mein nächster Schritt?
Katja: Such dir diese Woche eine echte Schreibaufgabe. Eine Nachricht, eine Mail, einen Beitrag für die Elterngruppe, was eh ansteht. Beschreib grob, worum es geht, und nimm den Joker: „Stell mir zuerst die Fragen, die du brauchst.“ Beantworte sie. Und wenn der Entwurf da ist, lass dir die drei größten Schwächen nennen, bevor du ihn verbesserst.
Jens: Und dann vergleiche ich mit dem, was ich allein geschrieben hätte.
Katja: Genau. Achte vor allem darauf, welche Rückfrage dich überrascht hat. Da steckt meistens die Angabe, die du sonst vergessen hättest.
Jens: Mach ich. Und ich berichte.
Merksatz und Verabschiedung
Katja: Und jetzt die Auflösung. Der Satz, der fast jede Antwort besser macht, ist ein Satz über deine Lage. Was du nicht sagst, kann sie nicht wissen.
Jens: Da widerspreche ich. Für mich ist es der Joker. „Stell mir zuerst die Fragen, die du brauchst.“ Weil der auch dann funktioniert, wenn ich alles andere vergessen habe.
Katja: Dann einigen wir uns so: Der Joker ist der Satz, mit dem die KI sich deine Lage selbst abholt. Wenn du nur eins mitnimmst: Ohne deine Angaben bekommst du die Durchschnittsantwort.
Jens: Und wer jede Woche so einen Tipp frei Haus will: Dominik schreibt jeden Sonntag den KI-Brief. Kostenlos, per Mail, und auch schön für deine Eltern. Die Adresse ist hallo-ki.de/newsletter.
Katja: Nächstes Mal wird es ernst. Da geht es um Anrufe, bei denen eine vertraute Stimme um Geld bittet. Und darum, wie du deine Eltern schützt, ohne sie zu bevormunden. Die Folge heißt: Die Stimme am Telefon ist nicht dein Kind. Ich bin Katja.
Jens: Ich bin Jens. Danke fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal.