Hallo KI — zur Startseite

← Alle Folgen von Hallo KI – der Podcast

Folge 1 · Hallo KI – der Podcast

Was ist das eigentlich?

Erschienen am 01.10.202616 MinutenZum Nachlesen springen

Gleich hier anhören

Der Ton startet erst, wenn Sie auf das Abspiel-Dreieck tippen.

Oder in Ihrer Podcast-App: Spotify · Apple Podcasts · Amazon Music (öffnet jeweils eine neue Seite)

Was passiert eigentlich, wenn du einer KI eine Frage stellst? Katja erklärt, wie ein Sprachmodell seine Antwort Stück für Stück schreibt und warum es dabei klug klingt und sich trotzdem irren kann. Jens bringt die Einwände mit, die man überall hört, vom Hype bis zur Angst um den Job. Und du erfährst, wie du sinnvoll anfängst, damit es nicht bei einer Antwort so lang wie ein Beipackzettel bleibt.

In dieser Folge:

  • Wie ein Sprachmodell funktioniert: Muster statt Lexikon, Wissensstand und Suchfunktion
  • Wofür die KI taugt und wo du sie besser nicht ranlässt
  • Die großen Einwände, ehrlich beantwortet
  • Richtig anfangen: mit einem Thema, bei dem du dich auskennst, und dann nachhaken
  • Ist das sicher? Kosten, Postkarten-Regel und warum du nichts kaputt machen kannst

Prompts zum Mitnehmen:

Alle reden über ein Thema aus den Nachrichten, und du willst beim Abendessen mitreden (statt Wärmepumpe dein Thema einsetzen):

„Erkläre mir das Thema Wärmepumpe so, dass ich beim Abendessen mitreden kann. Erst in drei Sätzen. Dann die zwei häufigsten Missverständnisse. Und zum Schluss eine gute Frage, die ich selbst stellen kann.“

Deine E-Mail klingt gereizter, als sie soll (Mail ohne Namen darunter einfügen):

„Formuliere diese E-Mail freundlich, aber bestimmt. Behalte alle Fakten und Forderungen bei. Zeig mir danach in drei Punkten, was du geändert hast.“

Du schiebst eine größere Entscheidung vor dir her:

„Ich überlege, ob ich eine Weiterbildung anfangen soll. Stell mir nacheinander fünf Fragen, die mir helfen, das zu klären. Immer nur eine Frage, und warte auf meine Antwort. Fasse danach die Argumente zusammen, ohne mir die Entscheidung abzunehmen.“

Du willst testen, wie weit du der KI trauen kannst (statt Gartenteich dein Fachgebiet):

„Ich kenne mich mit dem Thema Gartenteich gut aus. Erkläre mir die fünf wichtigsten Dinge, die man darüber wissen muss. Markiere dabei jede Aussage, bei der du dir nicht sicher bist.“

Das ganze Gespräch zum Nachlesen

Zum Mitlesen, Nachschlagen oder Ausdrucken. Im Podcast duzen sich Katja und Jens, deshalb steht es hier auch so. Grundlage ist das Sendeskript; in der gesprochenen Fassung kann ein Wort abweichen.

Kaltstart

Jens: Ich muss was gestehen. In fast jeder Besprechung sagt inzwischen irgendwer: „Ich hab das eben mal durch die KI gejagt.“ Und alle nicken. Ich nicke auch.

Katja: Und?

Jens: Und ich hab keine Ahnung, was die da genau gemacht haben. Ich hab das Ding genau einmal ausprobiert, bekam eine Antwort so lang wie ein Beipackzettel und hab das Fenster wieder zugemacht.

Katja: Weißt du, wie viele Leute genau an dieser Stelle stehen? Und genau deshalb gibt es diesen Podcast.

Begrüßung

Katja: Hallo und herzlich willkommen bei Hallo KI. Das ist der Podcast für alle, die mit Künstlicher Intelligenz endlich richtig anfangen wollen. Nicht mit Hype und nicht mit Panik, sondern so, dass du verstehst, was da passiert, und am Ende jeder Folge etwas in der Hand hast. Ich bin Katja.

Jens: Und ich bin Jens. Ich bin hier der mit den kritischen Fragen. Katja benutzt das Zeug schon eine ganze Weile, im Job und privat. Ich komme eher aus der Welt von Tabellen, E-Mails und Terminkalendern und frage erst mal: Brauch ich das? Stimmt das? Und wo sind meine Daten?

Katja: Und genau diese Fragen sollst du auch weiter stellen. Bevor es losgeht, müssen wir aber noch etwas klarstellen.

Jens: Ja. Wir beide sind keine echten Menschen. Unsere Stimmen sind mit Künstlicher Intelligenz erzeugt, und Katja und Jens sind ausgedachte Figuren.

Katja: Passt ja zum Thema. Echt sind dagegen die Inhalte. Die kommen von Hallo KI, und Dominik, der Mensch hinter Hallo KI, prüft jede Folge, bevor sie zu dir kommt.

Jens: Falls du mal auf hallo-ki.de vorbeischaust: Da wird gesiezt. Die Seite ist vor allem für unsere Eltern-Generation gemacht. Hier im Podcast duzen wir uns.

Katja: Heute klären wir die Grundfrage, und zwar richtig. Was passiert eigentlich, wenn du einer KI eine Frage stellst? Warum klingt sie so klug und irrt sich trotzdem? Und wie fängst du sinnvoll an, damit es nicht beim Beipackzettel bleibt?

Was da eigentlich passiert

Jens: Dann fang ich mal ganz direkt an. Wenn ich da eine Frage eintippe, was passiert dann? Sucht das Ding im Internet? Schaut es in einer riesigen Datenbank nach?

Katja: Weder noch, jedenfalls nicht im Kern. Die Programme, über die wir reden, also ChatGPT und die anderen, sind sogenannte Sprachmodelle. Die haben in ihrem Training unvorstellbar viele Texte verarbeitet. Bücher, Internetseiten, Artikel, Handbücher. Und daraus haben sie gelernt, wie Sprache funktioniert. Welche Wörter zusammenpassen, wie Argumente aufgebaut sind, wie ein Brief an die Versicherung klingt und wie ein Kochrezept.

Jens: Gelernt heißt: gespeichert?

Katja: Nicht wie in einem Aktenschrank. Eher so, wie du gelernt hast, wie ein Satz weitergeht. Wenn ich sage „Wer anderen eine Grube gräbt …“

Jens: „… fällt selbst hinein.“

Katja: Siehst du. Du hast nicht nachgeschlagen, du hast einfach gewusst, was wahrscheinlich kommt. Und genau das macht ein Sprachmodell. Es schreibt seine Antwort Stück für Stück, und bei jedem Stück fragt es sich sozusagen: Was passt jetzt am besten als Nächstes, bei allem, was bisher dasteht?

Jens: Also eine sehr große Autovervollständigung. Wie auf dem Handy, wenn es mir das nächste Wort vorschlägt.

Katja: Im Prinzip ja. Nur dass das Handy ein paar Wörter kennt und dieses Modell die Muster aus einem Großteil der geschriebenen Welt. Das ist der Unterschied zwischen einem Kinderfahrrad und einem Flugzeug. Beides hat Räder, aber das eine fliegt.

Jens: Okay, das Bild merke ich mir. Aber dann erklär mir eins: Wenn das nur vorhersagt, was als Nächstes kommt, warum sind die Antworten dann oft so gut? Die klingen ja, als hätte da jemand nachgedacht.

Katja: Weil in den Mustern unglaublich viel Wissen steckt. Wer Millionen von Erklärungen zur Photosynthese gesehen hat, kann eine gute Erklärung zur Photosynthese schreiben. Und wer Millionen von Geschäftsbriefen gesehen hat, weiß, wie ein höflicher, bestimmter Brief aufgebaut ist.

Jens: Und warum irrt sie sich dann?

Katja: Genau deswegen. Das Modell ist darauf gebaut, einen passenden, flüssigen Text zu schreiben. Nicht darauf, einen wahren Text zu schreiben. Meistens ist das dasselbe. Aber wenn es etwas nicht genau weiß, hört es nicht auf, sondern schreibt trotzdem etwas, das plausibel klingt. Eine Telefonnummer, die so aussieht wie eine Telefonnummer. Ein Buchtitel, der so klingt wie ein Buchtitel. Das nennt man übrigens Halluzination.

Jens: Halluzination. Klingt dramatischer, als es ist.

Katja: Klingt dramatisch, ist aber alltäglich. Und es ist der wichtigste Grund, warum du verstehen solltest, wie das funktioniert. Die KI ist ein Sprachtalent, kein Lexikon.

Jens: Sprachtalent, kein Lexikon. Das schreib ich mir auf.

Der Wissensstand und die Suche

Jens: Noch eine Frage dazu. Weiß das Ding eigentlich, was heute passiert ist?

Katja: Von sich aus nicht. Das Training endet irgendwann, und alles danach kennt das Modell nicht. Man spricht vom Wissensstand. Viele Programme können inzwischen aber zusätzlich im Internet suchen. Dann holen sie sich aktuelle Seiten und schreiben daraus eine Antwort, meistens mit Links zu den Quellen.

Jens: Und woran merke ich, ob gesucht wurde oder ob es aus dem Gedächtnis schreibt?

Katja: Meistens daran, dass Quellen oder Links dabei sind. Und du kannst einfach dazuschreiben: „Such bitte im Internet und nenn mir deine Quellen.“ Das ist sowieso eine gute Gewohnheit bei allem, was aktuell ist. Öffnungszeiten, Preise, Gesetzesänderungen, Fahrpläne.

Jens: Also bei Fakten, die sich ändern: Quellen verlangen und selbst draufklicken.

Katja: Genau. Dazu machen wir eine ganze Folge, weil das so wichtig ist. Heute reicht: Das Modell weiß viel, aber nicht alles, und nicht das Neueste.

Wofür es taugt und wofür nicht

Jens: Jetzt mal Butter bei die Fische. Wofür ist das wirklich gut? Nicht in der Werbung, sondern bei mir am Schreibtisch.

Katja: Ich sag's dir mit einem Bild, das ich sehr mag. Stell dir einen Praktikanten vor. Unglaublich belesen, unglaublich schnell, hat nie schlechte Laune und arbeitet auch sonntags um elf. Aber: Er ist am ersten Tag da. Er kennt dich nicht, er kennt deine Firma nicht, er kennt deine Familie nicht.

Jens: Und so einen Praktikanten würde ich wie behandeln?

Katja: Du würdest ihm klare Aufträge geben. Du würdest ihm sagen, wofür das Ergebnis ist. Und du würdest ihm auf die Finger schauen, bevor du irgendwas ungeprüft rausschickst. Das ist eigentlich schon die ganze Bedienungsanleitung.

Jens: Das klingt nach meinen letzten drei Praktikanten.

Katja: Und was so ein Praktikant richtig gut kann: Texte entwerfen, umformulieren, kürzen, zusammenfassen, Dinge erklären, Ideen sammeln, Gedanken ordnen. Alles, was mit Sprache zu tun hat. Den Brief an die Hausverwaltung. Die Zusammenfassung eines langen Dokuments. Die Erklärung, was eine Wärmepumpe eigentlich macht. Zehn Ideen für den Geburtstag der Schwiegermutter.

Jens: Und wo lass ich ihn besser nicht ran?

Katja: Überall da, wo es auf exakte Fakten ankommt und du sie nicht prüfen kannst. Bei Zahlen, bei Namen, bei Paragraphen. Und bei Entscheidungen mit Gewicht. Gesundheit, Geld, Recht. Da ist die KI großartig zum Vorbereiten. Sie hilft dir, die richtigen Fragen zu stellen und ein Schreiben zu verstehen. Entscheiden tut ein Mensch, der sich auskennt. Und du.

Jens: Das finde ich eine faire Arbeitsteilung. Die KI bereitet vor, der Mensch entscheidet.

Die großen Einwände

Jens: Darf ich jetzt mal die Sachen loswerden, die man so hört? Du sagst mir, was dran ist.

Katja: Unbedingt. Leg los.

Jens: Erstens: Das ist doch alles nur ein Hype. In zwei Jahren redet keiner mehr davon.

Katja: Da ist ein Körnchen Wahrheit drin. Es wird maßlos übertrieben, was diese Programme angeblich alles können. Aber die Grundfähigkeit, Texte zu verstehen und zu schreiben, die verschwindet nicht wieder. Die steckt inzwischen im Handy, im Mailprogramm, in der Suchmaschine. Ich würde sagen: Die Werbung ist ein Hype. Das Werkzeug nicht.

Jens: Zweitens: Da sitzt doch irgendwo ein Mensch und tippt die Antworten.

Katja: Nein. Da sitzt niemand. Die Antworten entstehen in dem Moment, in dem du fragst, vollautomatisch. Deshalb kommen sie auch in Sekunden. Kein Mensch schreibt dir in drei Sekunden eine ganze Seite.

Jens: Drittens, und das ist der, der mich wirklich beschäftigt: Nimmt mir das irgendwann den Job weg?

Katja: Ehrliche Antwort: Das weiß niemand genau, und wer dir das mit Sicherheit sagt, will dir meistens etwas verkaufen. Was man heute schon sieht: Die KI übernimmt einzelne Aufgaben. Den ersten Entwurf, die Zusammenfassung, die Recherche zum Einstieg. Und wer weiß, wie man sie gut einsetzt und wo man ihr nicht trauen darf, hat einen Vorteil. Das ist ungefähr wie damals mit Tabellenprogrammen. Die Buchhaltung gab es danach immer noch. Aber wer die Tabelle nicht bedienen konnte, hatte es schwerer.

Jens: Das ist ehrlich. Nicht beruhigend, aber ehrlich.

Katja: Und viertens hast du vergessen: „Die KI denkt.“

Jens: Stimmt, das hört man auch. Denkt sie?

Katja: Nicht so, wie wir denken. Sie hat kein Bewusstsein, keine Absichten und keine Meinung zu dir. Sie ist ein sehr gutes Werkzeug zur Sprachverarbeitung. Manche Programme haben inzwischen einen Modus, in dem sie sich vor der Antwort länger mit der Aufgabe beschäftigen, Zwischenschritte durchgehen und sich selbst kontrollieren. Das hilft bei kniffligen Fragen. Aber auch das ist Rechnen, kein Grübeln am Küchentisch.

Jens: Gut. Dann bleibt meine Nachbarin also meine Nachbarin und die KI ein Werkzeug.

Katja: So sehe ich das.

Richtig anfangen

Jens: Jetzt ganz praktisch. Wo fange ich an?

Katja: Das Einfachste: chatgpt.com im Browser, oder die App auf dem Handy. Für die ersten Versuche brauchst du nicht einmal ein Konto. Ein Konto lohnt sich später, weil deine Gespräche dann gespeichert bleiben und du Einstellungen zum Datenschutz setzen kannst. Dazu machen wir auch eine eigene Folge.

Jens: Und bei der App?

Katja: Da bitte aufpassen, dass du die echte erwischst. Als Anbieter steht OpenAI dabei, die Grundversion ist kostenlos. Es gibt Nachahmer-Apps mit ähnlichem Namen, die Geld wollen und nichts besser können.

Jens: Gut. Und was frage ich als Erstes? Ich hab immer diese Beispiele mit dem blauen Himmel gehört.

Katja: Kann man machen. Aber ich hab einen besseren Vorschlag. Fang mit etwas an, bei dem du dich selbst auskennst. Etwas aus deinem Beruf, deinem Hobby, deiner Stadt.

Jens: Warum ausgerechnet da, wo ich mich auskenne? Da brauch ich die KI doch am wenigsten.

Katja: Genau deshalb. Da kannst du beurteilen, wie gut die Antwort wirklich ist. Du siehst, wo sie glänzt, wo sie oberflächlich wird und wo sie Quatsch erzählt. Danach hast du ein viel besseres Gefühl dafür, wie weit du ihr bei Themen trauen kannst, von denen du keine Ahnung hast.

Jens: Das ist eigentlich schlau. Ich teste den Praktikanten erst mal mit einer Aufgabe, deren Lösung ich kenne.

Katja: Genau das. Und dann kommt der eigentliche Trick: Nachhaken. Die erste Antwort ist fast nie die beste. Sie ist ein Entwurf. Du schreibst darunter, in dasselbe Gespräch: „Kürzer.“ Oder: „Das ist mir zu allgemein, geh auf den zweiten Punkt genauer ein.“ Oder: „Das stimmt so nicht, bei uns ist das anders.“

Jens: Und das versteht sie? Ich muss nicht wieder von vorne anfangen?

Katja: Nein. Innerhalb eines Gesprächs weiß die KI, was ihr bisher besprochen habt. Das ist der Kontext, und der ist Gold wert. Je mehr sie über deine Lage weiß, desto besser wird es.

Jens: Das war mein Fehler beim ersten Mal. Ich dachte, die Antwort ist halt die Antwort. Wie bei einer Suchmaschine.

Katja: Das denken fast alle am Anfang. Aber es ist eher wie ein Gespräch mit einem Kollegen. Du sagst ihm ja auch, wenn du etwas anders brauchst. Nicht meckern, sondern sagen, wie du es haben willst.

Jens: Muss ich eigentlich höflich sein? Bitte, danke, sehr geehrte KI?

Katja: Musst du nicht. Die KI ist nicht beleidigt. Viele schreiben trotzdem „bitte“, weil es sich normaler anfühlt, und das schadet auch nicht. Wichtiger als Höflichkeit ist Klarheit. Schreib so, wie du einer Kollegin einen Auftrag auf einen Zettel schreiben würdest. Was ist die Lage, was willst du, für wen ist es, und in welcher Form.

Jens: Lage, Ziel, Empfänger, Form. Das klingt schon wie das Thema der nächsten Folge.

Katja: Ist es auch. Da gehen wir richtig in die Tiefe.

Ist das sicher?

Jens: So. Und jetzt die Frage, die ich immer stelle. Ist das sicher?

Katja: Drei Punkte. Erstens: Kosten. Die kostenlose Version reicht für den Einstieg und für vieles darüber hinaus. Es gibt Bezahl-Abos mit mehr Leistung. Die brauchst du zum Anfangen nicht, und aus der kostenlosen Version wird nicht heimlich eine Bezahlversion.

Jens: Zweitens: Daten.

Katja: Alles, was du eintippst, landet auf den Rechnern des Anbieters. Deshalb gibt es eine einfache Regel: Tipp nichts ein, was du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest. Keine Passwörter, keine Kontonummern, keine Krankheiten mit vollem Namen. Und im Job gilt zusätzlich: keine Kunden- oder Firmeninterna, solange dein Arbeitgeber das nicht ausdrücklich erlaubt.

Jens: Die Postkarten-Regel. Die gefällt mir. Und drittens?

Katja: Drittens: Du kannst nichts kaputt machen. Die KI kann auf deinem Rechner nichts löschen, nichts bestellen und nichts verstellen. Das Schlimmste ist eine schlechte Antwort. Dann fragst du eben noch einmal.

Prompts zum Mitnehmen

Katja: Und jetzt, wie in jeder Folge: ein paar Prompts zum Mitnehmen. Also Aufträge, die du so, wie sie sind, eintippen kannst. Prompt ist übrigens einfach das englische Wort für genau das, den Auftrag an die KI.

Jens: Ich fang an, weil ich den selbst sofort brauche. Die Situation: Alle reden über ein Thema aus den Nachrichten, und du willst beim Abendessen nicht nur nicken. Der Prompt lautet: „Erkläre mir das Thema Wärmepumpe so, dass ich beim Abendessen mitreden kann. Erst in drei Sätzen. Dann die zwei häufigsten Missverständnisse. Und zum Schluss eine gute Frage, die ich selbst stellen kann.“

Katja: Und warum funktioniert der so gut? Weil du genau sagst, in welcher Form du es willst. Drei Sätze, zwei Missverständnisse, eine Frage. Statt Wärmepumpe setzt du natürlich ein, was dich gerade beschäftigt.

Katja: Der zweite. Die Situation: Du hast eine E-Mail geschrieben, und beim Durchlesen merkst du, dass sie gereizter klingt, als sie sollte. Du kopierst sie rein, ohne Namen, und schreibst: „Formuliere diese E-Mail freundlich, aber bestimmt. Behalte alle Fakten und Forderungen bei. Zeig mir danach in drei Punkten, was du geändert hast.“

Jens: Und der Kniff ist der letzte Satz, oder? Dass sie sagen muss, was sie geändert hat.

Katja: Genau. So siehst du sofort, ob sie dir etwas verwässert hat, und lernst nebenbei, wie der Ton wirkt.

Jens: Der dritte ist für Entscheidungen, die man vor sich herschiebt. Die Situation: Du überlegst schon länger, ob du etwas Größeres angehen sollst. Zum Beispiel ein neues Auto, einen Umzug oder eine Weiterbildung. Der Prompt: „Ich überlege, ob ich eine Weiterbildung anfangen soll. Stell mir nacheinander fünf Fragen, die mir helfen, das zu klären. Immer nur eine Frage, und warte auf meine Antwort. Fasse danach die Argumente zusammen, ohne mir die Entscheidung abzunehmen.“

Katja: Da stecken gleich zwei Kniffe drin. „Immer nur eine Frage“ macht daraus ein Gespräch statt eines Fragebogens. Und „ohne mir die Entscheidung abzunehmen“ verhindert, dass die KI dir einfach irgendwas empfiehlt.

Katja: Und der vierte ist der Selbsttest, von dem ich vorhin gesprochen habe. Die Situation: Du willst herausfinden, wie weit du der KI trauen kannst. Der Prompt: „Ich kenne mich mit dem Thema Gartenteich gut aus. Erkläre mir die fünf wichtigsten Dinge, die man darüber wissen muss. Markiere dabei jede Aussage, bei der du dir nicht sicher bist.“

Jens: Und statt Gartenteich nehme ich mein eigenes Fachgebiet. Und dann schaue ich, ob sie die richtigen Stellen markiert.

Katja: Genau. Das ist der schnellste Weg, ein Gefühl für die Stärken und Schwächen zu bekommen.

Dein nächster Schritt

Jens: Und was ist die Aufgabe bis zur nächsten Folge?

Katja: Nimm dir eine Viertelstunde. Öffne ChatGPT oder ein anderes Programm dieser Art und stell eine echte Frage aus deinem Alltag, bei der du selbst Bescheid weißt. Dann hak zweimal nach. Einmal „genauer“, einmal „kürzer“ oder „das stimmt so nicht“. Und beobachte, wie sich die Antwort verändert.

Jens: Mach ich. Ich berichte in der nächsten Folge, ob mein Praktikant bestanden hat.

Merksatz und Verabschiedung

Katja: Wenn du aus dieser Folge nur eines mitnimmst, dann das: Die KI ist ein Sprachtalent, kein Lexikon.

Jens: Die erste Antwort ist ein Entwurf. Nachhaken ist kein Zeichen von Unwissen, sondern der eigentliche Trick.

Katja: Und wenn du etwas in Ruhe nachlesen willst: Auf hallo-ki.de gibt es viele Artikel zu genau diesen Themen. Gesiezt, wie gesagt, aber ganz schön gründlich.

Jens: In der nächsten Folge geht es um den Satz, der jede Antwort besser macht. Also: Wie schreibe ich einen Auftrag so, dass etwas Brauchbares herauskommt? Ich bin Jens.

Katja: Ich bin Katja. Danke, dass du zugehört hast. Bis zum nächsten Mal.