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Folge 3 · Hallo KI – der Podcast

Die Stimme am Telefon ist nicht dein Kind

Erschienen am 01.10.202617 MinutenZum Nachlesen springen

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Eine vertraute Stimme ruft abends an, weint und braucht sofort Geld. Mit KI lassen sich Stimmen heute nachmachen, und Schockanrufe werden dadurch noch überzeugender. In dieser Folge erfährst du, wie solche Anrufe ablaufen, was wirklich schützt und warum Auflegen und Zurückrufen wichtiger ist als jedes Erkennungsmerkmal. Vor allem geht es darum, wie du mit deinen Eltern darüber sprichst, ohne sie zu bevormunden.

In dieser Folge:

  • Wie man eine Stimme kopiert
  • Das Muster hinter Schockanrufen erkennen
  • Was wirklich schützt: Rückruf unter der bekannten Nummer und ein Familien-Codewort
  • Wie du es deinen Eltern sagst, ohne sie wie Kinder zu behandeln

Prompts zum Mitnehmen:

Du willst mit deinen Eltern über Schockanrufe reden, ohne dass es nach Misstrauen klingt:

„Ich möchte mit meinen Eltern, beide Mitte siebzig, über Schockanrufe mit nachgemachten Stimmen sprechen. Sie sind selbstständig und mögen es nicht, belehrt zu werden. Gib mir drei unterschiedliche Einstiege für dieses Gespräch und sag mir zu jedem, wie er vermutlich ankommt.“

Die Regeln sollen griffbereit neben dem Telefon liegen (das Codewort gehört nicht auf den Zettel):

„Schreibe einen Merkzettel für neben das Telefon, für Menschen um die achtzig. Höchstens sechs kurze Zeilen, große klare Sätze, keine Fachwörter, keine Angstmache. Inhalt: Was tue ich, wenn jemand anruft, wie ein Angehöriger klingt und Geld will. Wichtigster Punkt: auflegen und unter der bekannten Nummer selbst zurückrufen.“

Du willst das Auflegen einmal geübt haben, bevor es ernst wird:

„Spiel mit mir einen Schockanruf durch, damit ich übe, standhaft zu bleiben. Du bist der Anrufer und machst Druck, ich antworte dir. Nach höchstens fünf Runden brichst du ab und sagst mir, an welcher Stelle ich mich hätte einwickeln lassen und was ich besser sagen sollte.“

Eine Nachricht kommt dir verdächtig vor, etwa eine angeblich neue Nummer vom eigenen Kind (Text ohne Namen und Nummern darunter einfügen):

„Ich habe diese Nachricht bekommen. Welche Merkmale einer bekannten Betrugsmasche erkennst du? Was sollte ich jetzt tun, und was auf keinen Fall?“

Das ganze Gespräch zum Nachlesen

Zum Mitlesen, Nachschlagen oder Ausdrucken. Im Podcast duzen sich Katja und Jens, deshalb steht es hier auch so. Grundlage ist das Sendeskript; in der gesprochenen Fassung kann ein Wort abweichen.

Kaltstart

Jens: Eine Frage an dich, die du gerade zuhörst. Ehrlich beantworten. Wenn wir es nicht in jeder Folge sagen würden: Hättest du gemerkt, dass Katja und ich keine echten Menschen sind?

Katja: Ich fürchte, viele hätten es nicht gemerkt.

Jens: Eben. Und jetzt stell dir vor, so eine Stimme ruft abends bei deiner Mutter an. Und sie klingt nicht wie irgendwer. Sie klingt wie du. Sie weint, sie hatte einen Unfall, sie braucht sofort Geld. Und sie sagt: „Bitte erzähl Papa nichts.“

Katja: Da wird mir schon beim Zuhören kalt.

Jens: Deshalb machen wir diese Folge. Und deshalb würde ich mir wünschen, dass du sie weitererzählst.

Begrüßung

Katja: Hallo und willkommen bei Hallo KI. Ich bin Katja.

Jens: Und ich bin Jens. Du hast es eben gehört: Wir sind KI-Stimmen, die Inhalte prüft Dominik von Hallo KI. Der Unterschied zu dem Anrufer von eben ist, dass wir es dir sagen.

Katja: Heute bist übrigens du dran, Jens. Bei Betrug lässt du dir nichts vormachen, da hör ich dir gern zu. Aber vorher: Wie lief die Aufgabe aus der letzten Folge? Eine echte Schreibaufgabe mit dem Joker.

Jens: Ich hab eine Mail an die Hausverwaltung gebraucht, wegen einer Sache, die seit Wochen liegen bleibt. Ich hab nur grob beschrieben, worum es geht, und um Rückfragen gebeten. Es kamen vier Fragen, und eine davon war, ob ich eine Frist setzen will. Da hätte ich allein nicht dran gedacht. Und bei den drei größten Schwächen stand ganz oben, dass mein erster Satz schon vorwurfsvoll klingt. Hatte sie recht.

Katja: Die eine Rückfrage, die dich überrascht, das ist genau der Moment.

Jens: Ja. Aber heute geht es um etwas Ernsteres. Um Stimmen, die man nachmachen kann. Wie das funktioniert, wie so ein Anruf abläuft, was wirklich schützt. Und dann um die schwierigste Frage: Wie sagst du das deinen Eltern, ohne dass sie sich behandelt fühlen wie Kinder?

Wie man eine Stimme kopiert

Katja: Fangen wir mit der Technik an. Wie geht das überhaupt, eine Stimme kopieren?

Jens: Ich erklär's mal so, wie ich es verstanden habe. Solche Programme sind vorher mit riesigen Mengen gesprochener Sprache trainiert worden. Dabei haben sie gelernt, was Stimmen voneinander unterscheidet. Tonhöhe, Klangfarbe, Sprechtempo, wie jemand die Wörter betont, ob er nuschelt oder dialektfärbt.

Katja: Und dann?

Jens: Dann bekommt so ein Programm eine kurze Aufnahme von einer bestimmten Person. Daraus liest es genau diese Merkmale heraus. Und danach kann man einen beliebigen Satz eintippen, und er wird in dieser Stimme gesprochen. Sätze, die der echte Mensch nie gesagt hat.

Katja: Wie kurz ist kurz?

Jens: Wenige Sekunden können schon reichen. Mehr Material macht es besser, aber für einen aufgeregten Anruf reicht wenig. Und das Material liegt herum. Ein Video von der Familienfeier im Netz. Eine Sprachnachricht. Die Ansage auf der Mailbox.

Katja: Wir beide sind ja im Grunde dieselbe Technik. Nur eben mit Ansage.

Jens: Genau. Die Technik an sich ist nicht böse. Man kann damit Hörbücher machen oder Menschen, die ihre Stimme verlieren, eine zurückgeben. Aber sie ist billig und leicht zu haben geworden. Und damit auch für Betrüger.

Katja: Jetzt mal ehrlich, Jens. Sind diese Klone denn perfekt? Wenn ich meinen Bruder nachgemacht höre, merk ich das doch.

Jens: In Ruhe, beim Vergleichen, vielleicht. Die Klone haben Schwächen. Manchmal klingt die Betonung komisch, oder typische Redewendungen fehlen. Aber jetzt überleg, wie so ein Anruf klingt. Schlechte Verbindung, Rauschen, jemand weint, redet stockend. Das deckt fast alles zu.

Katja: Und ich bin in dem Moment nicht in der Stimmung, Klangfarben zu vergleichen.

Jens: Überhaupt nicht. Der Kopf schaltet auf Rettung. Die Technik muss nicht perfekt sein. Sie muss nur die ersten zwanzig Sekunden überstehen. Den Rest erledigt die Panik.

Katja: Muss ich dann meine Mailbox-Ansage löschen? Und keine Videos mehr teilen?

Jens: Eine Standardansage statt der eigenen Stimme kann man machen, schadet nicht. Aber verstecken kannst du deine Stimme nicht. Du telefonierst, du schickst Sprachnachrichten, du stehst im Vereinsvideo.

Katja: Also nicht die Stimme schützen, sondern sich eine Regel zurechtlegen, die auch dann hilft, wenn die Stimme perfekt ist. Das ist eigentlich beruhigend. Ich muss nichts verstecken, ich muss nur wissen, was ich tue, wenn das Telefon klingelt.

Jens: Genau so.

Katja: Und das ist der Punkt, den man sich merken muss, oder?

Jens: Das ist der Satz dieser Folge. Die Stimme allein ist kein Beweis mehr. Und damit auch der Titel: Die Stimme am Telefon ist nicht dein Kind. Sie klingt nur so.

Das Muster erkennen

Katja: Wenn ich mich nicht auf die Stimme verlassen kann, worauf dann?

Jens: Aufs Muster. Diese Anrufe laufen fast immer gleich ab. Vier Bausteine. Erstens eine Notlage: Unfall, Verhaftung, eine Rechnung im Krankenhaus. Zweitens Zeitdruck: „In einer Stunde ist es zu spät.“ Drittens Geld: überweisen, Bargeld an einen Boten übergeben, manchmal sogar Gutscheinkarten kaufen. Und viertens Geheimhaltung: „Sag niemandem was, das ist mir so peinlich.“

Katja: Notlage, Zeitdruck, Geld, Geheimhaltung.

Jens: Sobald zwei davon zusammenkommen, gehen alle Lampen an. Und der vierte ist der verräterischste. Ein Mensch in echter Not ist froh, wenn andere Bescheid wissen und helfen. Wer dir verbietet, mit der Familie zu reden, will nicht, dass jemand dazwischenfunkt.

Katja: Gibt es das auch in anderen Kostümen? Nicht nur das weinende Kind?

Jens: Einige. Der falsche Polizist, der sagt, deine Ersparnisse seien in Gefahr und müssten abgeholt werden. Dazu muss man wissen: Die Polizei holt kein Geld ab, und keine Bank verlangt am Telefon Bargeld. Und dann die Masche, die inzwischen oft sogar ohne Anruf auskommt. Eine Nachricht von unbekannter Nummer: „Hallo Mama, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer.“ Erst wird ganz normal geplaudert, und ein, zwei Nachrichten später muss dringend eine Rechnung bezahlt werden.

Katja: Und da hilft KI den Betrügern gar nicht.

Jens: Da braucht es keine. Das ist mir wichtig: KI macht die alte Masche überzeugender. Aber die Masche ist dieselbe. Und deshalb ist auch die Abwehr dieselbe.

Katja: Ich muss trotzdem was loswerden. Ich sitze hier und denke: Ich würde das merken. Ich bin nicht naiv, ich kenn mich mit Technik aus.

Jens: Das denkt jeder. Genau da liegt die Falle. Diese Anrufe zielen nicht auf deinen Verstand, sondern auf deine Liebe. Wer so einen Anruf bekommt, ist in dem Moment kein Technikkenner. Er ist ein Mensch, dessen Kind weint. Auch Jüngere und technisch Erfahrene fallen darauf rein. Das hat mit Dummheit nichts zu tun.

Katja: Dann brauch ich eine Regel, die auch funktioniert, wenn mein Kopf gerade nicht funktioniert.

Jens: Genau die kommt jetzt.

Was wirklich schützt

Jens: Die Regel heißt: auflegen und selbst zurückrufen. Unter der Nummer, die du schon immer hast. Aus deinem eigenen Telefonbuch, nicht aus der Anrufliste und nicht unter einer Nummer, die dir der Anrufer nennt.

Katja: Weil die zum Betrüger führt.

Jens: Genau. Und noch ein Detail, das kaum jemand kennt: Es gibt die Masche, dass der Anrufer einfach in der Leitung bleibt, obwohl du aufgelegt hast. Du wählst, und am anderen Ende meldet sich wieder er. Deshalb am sichersten von einem anderen Telefon aus zurückrufen. Handy statt Festnetz oder umgekehrt.

Katja: Und wenn es doch echt war? Dann hab ich mein eigenes Kind in der größten Not weggedrückt.

Jens: Dann klärst du das in zwei Minuten. Keine echte Notlage verlangt, dass du in wenigen Minuten Geld überweist. Kein Krankenhaus, keine Polizei, niemand. Du darfst sagen: „Ich ruf dich gleich zurück.“ Und dann legst du auf.

Katja: Jetzt hab ich eine Idee, die mir schlau vorkommt. Ich stell eine Frage, die nur mein echtes Kind beantworten kann. Wie hieß unser erster Hund?

Jens: Klingt schlau, ist es leider nicht. So was steht oft irgendwo im Netz, in einem alten Beitrag, in einem gestohlenen Handy voller Nachrichten. Eine richtige Antwort beweist nichts. Und „Bist du es wirklich?“ ist gar keine Prüfung, darauf sagt jeder Betrüger Ja. Auch ein Videoanruf ist kein Beweis mehr, Gesichter lassen sich genauso fälschen.

Katja: Und das Familien-Codewort? Das ist doch der beste Schutz überhaupt, das hab ich immer so erzählt.

Jens: Da muss ich dich bremsen. Das Codewort ist gut, ich empfehle es. Aber es ist die Zugabe, nicht der Beweis. Wenn jemand am Telefon Geld will und das richtige Wort nennt, legst du trotzdem auf und rufst zurück. Ein fehlendes Codewort ist ein klares Nein. Ein genanntes ist ein gutes Zeichen, mehr nicht.

Katja: Hm. Da hab ich die Reihenfolge wirklich falsch im Kopf gehabt. Erst auflegen und zurückrufen. Das Wort obendrauf.

Jens: Genau so. Und fürs Wort drei Regeln. Erstens: Es darf nirgends stehen. Nicht der Hundename, nicht der Geburtsort, nicht der Lieblingsverein. Lieber etwas aus einer gemeinsamen Erinnerung, der verunglückte Pflaumenkuchen, der Ort, wo das Auto mal liegen geblieben ist. Zweitens: Alle müssen es sich merken können, vom Teenager bis zur Oma. Und drittens: nur mündlich. Nicht in den Familienchat, nicht ins Handy, nicht auf den Zettel am Kühlschrank.

Katja: Lass uns das einmal durchspielen. Einfach, damit man den Satz schon mal gehört hat, bevor es ernst wird. Du bist der Anrufer.

Jens: Ich bin's. Ich hatte einen Unfall, ich brauch sofort Geld, bitte hilf mir, und sag niemandem was.

Katja: Ich hör dich. Ich ruf dich gleich zurück.

Jens: Nein, bitte, das dauert zu lange, du musst jetzt …

Katja: Aufgelegt. Und ich merke, wie falsch sich das anfühlt, selbst im Spiel.

Jens: Deshalb übt man es. Im Ernstfall fühlt es sich genauso falsch an. Aber es ist richtig. Und nicht diskutieren. Solange du redest, kann er Druck machen.

Wie sag ich's meinen Eltern?

Katja: Und jetzt die Frage, die mich wirklich umtreibt. Viele, die uns zuhören, haben Eltern um die achtzig. Und die meisten wissen: Wenn man denen was über Technik erklärt, geht das schnell schief.

Jens: Weil es klingt wie „Du fällst doch auf alles rein“.

Katja: Genau. Und dann machen die zu. Völlig verständlich. Die haben ein Leben lang Rechnungen bezahlt, Kinder großgezogen, Behörden überstanden. Und jetzt kommt das eigene Kind und erklärt ihnen, wie man telefoniert.

Jens: Wie macht man es also?

Katja: Mein wichtigster Punkt: Mach es zu deiner Sache, nicht zu ihrer Schwäche. Die Stimme, die deine Eltern am Telefon hören würden, wäre ja deine. Also kannst du ehrlich sagen: „Ich will nicht, dass jemand mit meiner Stimme bei euch anruft und euch reinlegt. Lasst uns ein Wort ausmachen.“ Das ist keine Belehrung. Das ist eine Bitte.

Jens: Und es stimmt ja sogar. Wenn einer mit meiner Stimme das Ersparte meiner Eltern abholt, hängt mein Name an der Geschichte.

Katja: Zweiter Punkt: Macht es gegenseitig. Das Codewort gilt in beide Richtungen. Wenn dich jemand anruft, der klingt wie deine Mutter, und sagt, sie sei gestürzt und brauche Geld, dann legst du genauso auf und rufst zurück. Es ist also kein Test für die Alten, sondern eine Familienregel.

Jens: Das nimmt dem Ganzen den Stachel.

Katja: Dritter Punkt: fragen statt erklären. Nicht „Wenn einer anruft, musst du …“, sondern „Was würdest du machen, wenn einer anruft und klingt wie ich?“ Oft kommen sie selbst auf den Rückruf. Und was man selbst gesagt hat, merkt man sich besser als das, was einem erklärt wurde.

Jens: Und ein vierter Punkt von mir, der praktisch am meisten bringt: die Erlaubnis zum Zurückrufen. Viele Ältere wollen nicht stören. Die rufen nicht mitten am Arbeitstag an, um zu fragen, ob man wirklich im Krankenhaus liegt. Also sag es ausdrücklich: „Wenn so was ist, ruf mich an. Jederzeit, auch nachts, auch wenn ich in einer Besprechung bin. Du störst nie.“

Katja: Das ist ein wirklich guter Punkt. Die Regel nützt nichts, wenn der Rückruf sich anfühlt wie eine Zumutung. Und ich hätte noch einen fünften: einen Anlass nehmen, der nichts mit den Eltern zu tun hat. Nicht „Ich mach mir Sorgen um dich“, sondern „Ich hab da einen Podcast gehört, das war echt gruselig, lass uns mal was ausmachen“. Dann ist es ein Gespräch über die Betrüger, nicht über das Alter. Und wer mag, schaut mit den Eltern zusammen, ob bei der Bank ein niedrigeres Limit für Überweisungen sinnvoll wäre. Entscheiden tun das aber sie, nicht du.

Jens: Dazu die Nummern der Familie gut auffindbar, im Telefon gespeichert und auf Papier neben dem Apparat. Und ein Zettel mit den Regeln dazu. Die Regeln, nicht das Codewort.

Katja: Und was man nicht machen sollte?

Jens: Angst machen. Wer nach dem Gespräch bei jedem Klingeln zusammenzuckt, dem hast du nicht geholfen. Und nicht jede Woche abfragen. Einmal gut besprechen, beim nächsten Besuch beiläufig nochmal erwähnen, fertig.

Katja: Und wenn es schon passiert ist? Wenn Vater oder Mutter schon Geld verloren haben?

Jens: Dann zählt Tempo, nicht Grübeln. Sofort die Bank anrufen, auch abends, auch am Wochenende. Überweisungen lassen sich manchmal noch stoppen. Anzeige bei der Polizei. Und dann das Wichtigste für uns Kinder: keine Vorwürfe. Wer Vorwürfe macht, erfährt beim nächsten Mal nichts. Und wer sich schämt und schweigt, verliert die Zeit, in der man noch was retten kann.

Katja: Die Täter nutzen das Beste an einem Menschen aus. Dass er hilft, ohne zu zögern. Dafür muss sich niemand schämen.

Ist das sicher?

Katja: Normalerweise stellst du die Pflichtfrage. Heute stell ich sie. Ist das sicher, was du geraten hast?

Jens: Kosten: nichts. Auflegen kostet nichts, ein Rückruf so gut wie nichts, und der Notruf der Polizei, die Eins, Eins, Null, ist kostenlos. Wenn du wirklich nicht weiterweißt, ruf da an. Die kennen die Maschen.

Katja: Und die Daten?

Jens: Am Telefon nennst du keine Kontonummern, keine Passwörter, keine Zugangscodes. Echte Banken und Behörden fragen so was am Telefon nicht ab. Und das Codewort tippst du nirgends ein. Nicht in eine Nachricht und auch nicht in die KI.

Katja: Aber die KI darf beim Vorbereiten helfen.

Jens: Beim Gespräch mit den Eltern, beim Merkzettel, beim Üben, ja. Dafür brauchst du keine Namen, keine Adressen, kein Wort. „Meine Eltern, Mitte siebzig“ reicht völlig. Und die Grenze ist klar: Bei Geld entscheidet niemand unter Druck am Telefon. Erst zurückrufen, dann entscheiden.

Prompts zum Mitnehmen

Jens: Jetzt die Prompts zum Mitnehmen. Der erste ist für das Gespräch, vor dem sich viele drücken. Situation: Du willst mit deinen Eltern über Schockanrufe reden, aber es soll nicht nach Misstrauen klingen. Der Wortlaut: „Ich möchte mit meinen Eltern, beide Mitte siebzig, über Schockanrufe mit nachgemachten Stimmen sprechen. Sie sind selbstständig und mögen es nicht, belehrt zu werden. Gib mir drei unterschiedliche Einstiege für dieses Gespräch und sag mir zu jedem, wie er vermutlich ankommt.“

Katja: Warum der funktioniert: Du gibst die Lage und den Empfänger mit, also genau das, was wir letzte Folge gelernt haben. Und du bekommst Varianten mit Einschätzung statt einer einzigen Rede.

Katja: Der zweite ist für den Zettel neben dem Telefon. Situation: Die Regeln sollen griffbereit sein, wenn es ernst wird. Der Wortlaut: „Schreibe einen Merkzettel für neben das Telefon, für Menschen um die achtzig. Höchstens sechs kurze Zeilen, große klare Sätze, keine Fachwörter, keine Angstmache. Inhalt: Was tue ich, wenn jemand anruft, wie ein Angehöriger klingt und Geld will. Wichtigster Punkt: auflegen und unter der bekannten Nummer selbst zurückrufen.“

Jens: Warum der funktioniert: Die Form ist genau vorgegeben, und der wichtigste Punkt ist festgelegt. So wird es ein Zettel und kein Aufsatz. Das Codewort schreibst du natürlich nicht drauf.

Jens: Der dritte ist zum Üben, und den find ich ehrlich gesagt am stärksten. Situation: Du willst das Auflegen einmal geübt haben, bevor es ernst wird. Der Wortlaut: „Spiel mit mir einen Schockanruf durch, damit ich übe, standhaft zu bleiben. Du bist der Anrufer und machst Druck, ich antworte dir. Nach höchstens fünf Runden brichst du ab und sagst mir, an welcher Stelle ich mich hätte einwickeln lassen und was ich besser sagen sollte.“

Katja: Warum er funktioniert: Du gibst der KI eine Rolle und am Ende eine Kritik-Aufgabe. So übst du den Satz „Ich ruf dich gleich zurück“, und bekommst hinterher ehrliche Rückmeldung. Mit Sprachfunktion kann man das sogar laut üben.

Katja: Und der vierte für den Moment, in dem etwas komisch ist. Situation: Eine Nachricht kommt dir verdächtig vor, etwa eine angeblich neue Nummer vom eigenen Kind. Der Wortlaut: „Ich habe diese Nachricht bekommen. Welche Merkmale einer bekannten Betrugsmasche erkennst du? Was sollte ich jetzt tun, und was auf keinen Fall?“ Und darunter kopierst du den Text, vorher Namen und Nummern entfernt.

Jens: Warum er funktioniert: Die KI ist gut darin, typische Muster zu erkennen, und sie ist nicht in Panik. Aber sie ersetzt nicht den Rückruf. Egal was sie sagt: Du rufst dein Kind unter der alten, bekannten Nummer an.

Dein nächster Schritt

Katja: Und was ist der nächste Schritt?

Jens: Ein Gespräch von fünf Minuten. Sprich diese Woche mit mindestens einer Person aus deiner Familie, am besten mit deinen Eltern, wenn du welche hast. Zwei Dinge: die Regel, auflegen und unter der bekannten Nummer zurückrufen, gilt für alle, in beide Richtungen. Und ein Codewort, mündlich ausgemacht. Dazu der Zettel mit den Regeln neben das Telefon.

Katja: Und die Erlaubnis zum Zurückrufen nicht vergessen.

Jens: Genau. „Du störst nie.“ Ich mach das auch und berichte.

Merksatz und Verabschiedung

Katja: Wenn du aus dieser Folge nur eins mitnimmst: Die Stimme allein ist kein Beweis mehr.

Jens: Bei Geld am Telefon wird aufgelegt und selbst zurückgerufen. Immer. Auch wenn das Codewort stimmt.

Katja: Und für den Zettel neben dem Telefon musst du nicht mal selbst schreiben. Dominik hat Schummelzettel zum Ausdrucken gemacht, darunter ein Merkblatt zum Telefon-Betrug. Unter hallo-ki.de/zettel.

Jens: Ausdrucken, einen für dich, einen für deine Eltern. Und diese Folge darfst du sehr gern weiterschicken.

Katja: Nächstes Mal wird es wieder etwas entspannter. Da geht es um die Frage, ob die KI eigentlich lügt. Und warum sie so überzeugend klingt, wenn sie falsch liegt. Ich bin Katja.

Jens: Ich bin Jens. Pass auf dich und deine Leute auf. Bis zum nächsten Mal.