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Folge 10 · Hallo KI – der Podcast
So bringst du deinen Eltern KI bei
Erschienen am 22.10.202619 MinutenZum Nachlesen springen
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Sonntagnachmittag bei den Eltern, „Kannst du mir mal kurz was am Computer zeigen?“, und eine Stunde später sind alle genervt. Diese Folge zeigt, wie es besser geht: mit einem echten Anlass statt mit Technik, mit den Händen der Eltern auf der Tastatur und mit einem Satz, der vieles leichter macht. Außerdem stellen Katja und Jens ausführlich das Buch „Hallo KI – ChatGPT endlich verstehen“ von Dominik vor, das für Einsteiger der Eltern-Generation geschrieben ist.
In dieser Folge:
- Warum sich das lohnt, auch für die Sicherheit der Eltern
- Warum es so oft schiefgeht
- So geht es besser: ihre Frage, ihre Hände, ihr Tempo
- Die Technik ein bisschen anpassen
- Das Buch: was drinsteht, für wen es gedacht ist und für wen nicht
Prompts zum Mitnehmen:
Du willst üben, geduldig und verständlich zu erklären, bevor du hinfährst:
„Spiel meinen Vater. Er ist skeptisch gegenüber KI, hat Angst, etwas falsch zu machen, und kennt sich nur mit E-Mails aus. Ich übe, ihm den Einstieg zu erklären. Reagiere so, wie er realistisch reagieren würde. Sag mir am Ende, wo ich zu schnell oder zu technisch war.“
Du suchst die erste Frage, die bei deinen Eltern wirklich zündet (Interessen statt Namen angeben):
„Meine Mutter ist Mitte siebzig, gärtnert gern, liest Krimis und schreibt noch Briefe von Hand. Schlag mir fünf erste Fragen an die KI vor, die sie wirklich interessieren und ihr schnell ein Erfolgserlebnis bringen. Keine Technikthemen.“
Du willst deinen Eltern eine Anleitung neben dem Computer dalassen:
„Schreib mir eine Anleitung zum Ausdrucken, wie man eine Frage an ChatGPT stellt und nachhakt. Höchstens fünf Schritte, große einfache Sätze, keine englischen Wörter, in der höflichen Anrede, für jemanden, der E-Mails schreiben kann, aber noch nie eine KI benutzt hat.“
Du willst über ein Familien-Codewort sprechen, ohne Angst zu machen (das Codewort selbst tippst du nirgends ein):
„Hilf mir, mit meinen Eltern über ein Familien-Codewort gegen Schockanrufe zu sprechen. Sie sollen sich nicht bevormundet oder verängstigt fühlen. Gib mir einen Gesprächseinstieg in drei Sätzen und zwei Antworten auf den Einwand ‚So was passiert uns doch nicht‘.“
Das Buch: hallo-ki.de/buch
Das ganze Gespräch zum Nachlesen
Zum Mitlesen, Nachschlagen oder Ausdrucken. Im Podcast duzen sich Katja und Jens, deshalb steht es hier auch so. Grundlage ist das Sendeskript; in der gesprochenen Fassung kann ein Wort abweichen.
Kaltstart
Katja: Kennst du diese Szene? Sonntagnachmittag, Kaffee und Kuchen bei den Eltern. Und dann kommt der Satz: „Du, wo du grad da bist, kannst du mir mal kurz was am Computer zeigen?“
Jens: Und aus „mal kurz“ wird eine Stunde.
Katja: Eine Stunde später hast du die Maus in der Hand, klickst dich im Eiltempo durch drei Menüs, und deine Mutter schaut aus dem Fenster. Sie hat nach dem zweiten Klick aufgehört zuzuhören. Du bist genervt, sie fühlt sich dumm, und beim nächsten Mal fragt sie lieber gar nicht mehr.
Jens: Das kennt wirklich jeder, der schon mal jemandem einen Drucker eingerichtet hat. Und heute machen wir es besser.
Begrüßung
Jens: Hallo und willkommen bei Hallo KI. Ich bin Jens.
Katja: Und ich bin Katja. Wie immer vorweg: Wir zwei sind KI-Stimmen, die Inhalte prüft Dominik von Hallo KI. Und diese Folge liegt uns besonders am Herzen.
Jens: Kurz zu meiner Aufgabe aus der letzten Folge. Der Notfallzettel ist fertig, zweimal. Die Sperrnummer der Bank hab ich von der Karte abgeschrieben, nicht aus dem Internet. Und beim Übergeben des zweiten Zettels kam die interessanteste Frage des ganzen Tages: „Und was ist das jetzt eigentlich mit dieser KI?“
Katja: Und genau da schließt sich heute der Kreis. Denn wer am meisten solche Mails und Anrufe bekommt, das sind oft unsere Eltern. Heute geht es darum, wie du deinen Eltern die KI näherbringst. So, dass sie davon profitieren, sicherer werden und du dabei nicht zum Dauer-Kundendienst wirst.
Warum sich das lohnt
Jens: Lass mich gleich mal den Advocatus Diaboli spielen. Meine Eltern-Generation hat siebzig, achtzig Jahre ohne KI gelebt. Warum sollen die jetzt noch damit anfangen?
Katja: Weil sie davon mehr haben als wir. Ehrlich. Überleg mal, wobei die KI am besten ist. Schreiben, erklären, sortieren. Der Brief an die Krankenkasse. Der Bescheid von der Rentenversicherung, den keiner versteht. Die Fragen, die man beim Facharzt stellen will und im Sprechzimmer vergisst. Das Rezept, das für vier gedacht ist, aber für zwölf reichen soll. Das ist genau der Alltag unserer Eltern.
Jens: Stimmt. Und genau das sind oft die Sachen, bei denen sie sonst uns anrufen.
Katja: Eben. Und der zweite Grund ist mindestens genauso wichtig. Unsere Eltern sind die Zielgruppe der Betrüger. Stimm-Klone, Schockanrufe, perfekt formulierte Phishing-Mails, gefälschte Promi-Werbung. Wer ein bisschen verstanden hat, was KI kann, fällt darauf viel seltener herein. Wer weiß, dass eine Stimme nachgemacht sein kann, legt eher auf und ruft zurück.
Jens: Das ist für mich eigentlich das stärkste Argument. Nicht „die sollen modern sein“, sondern: Die sollen sich auskennen, damit man sie nicht über den Tisch zieht.
Jens: Und der dritte Grund ist ein leiserer, oder? Mitreden können. Wenn überall von KI die Rede ist, in den Nachrichten, bei den Enkeln, beim Arzt, dann ist es ein schönes Gefühl, nicht nur danebenzustehen.
Katja: Genau das.
Warum es so oft schiefgeht
Jens: Gut, überzeugt. Aber warum geht das Erklären so oft schief? Wir sind ja nicht blöd, und unsere Eltern auch nicht.
Katja: Weil wir zu viel auf einmal wollen und zu schnell sind. Wir sagen Browser, App und Link und merken gar nicht, dass das Fachsprache ist. Und dann der Klassiker: Wir übernehmen die Maus. „Lass mal, ich mach das schnell.“
Jens: Schuldig im Sinne der Anklage.
Katja: Und das Problem daran ist nicht nur, dass die Eltern dann nichts lernen. Es ist, dass es sich für sie anfühlt wie eine kleine Niederlage. Da sitzt das eigene Kind und macht es besser. Das ist eine seltsame Umkehrung der Rollen. Früher haben sie uns das Schuhebinden beigebracht, und jetzt erklären wir ihnen, wo der Knopf ist.
Jens: Da ist viel Stolz im Spiel. Auf beiden Seiten, ehrlich gesagt. Wir sind ungeduldig, weil wir denken: Das ist doch einfach.
Katja: Und dazu kommt die Angst, etwas kaputt zu machen. Die ist bei vielen Älteren riesig. Die haben über Jahre gelernt, dass am Computer irgendwas Schlimmes passiert, wenn man falsch klickt. Weg ist die Datei, verstellt ist das Programm, bestellt ist das Abo.
Jens: Und das ist bei der KI eben anders.
Katja: Genau. Bei einem Programm wie ChatGPT kann man durch Fragen nichts kaputt machen. Es kann nichts löschen, nichts bestellen und nichts verstellen. Das Schlimmste ist eine schlechte Antwort. Das ist vielleicht der wichtigste Satz, den du deinen Eltern mitgeben kannst: Du kannst nichts kaputt machen.
So geht es besser
Jens: Dann lass uns das mal konkret machen. Wie fange ich an?
Katja: Erste Regel: Fang mit einem Anlass an, nicht mit der Technik. Nicht „Ich zeig dir jetzt mal ChatGPT“, sondern: „Du wolltest doch den Brief an die Hausverwaltung schreiben. Lass uns das mal zusammen mit der KI probieren.“ Ihre Frage. Nicht deine.
Jens: Also nicht meine Lieblingsbeispiele, sondern das, was sie gerade wirklich beschäftigt.
Katja: Genau. Bei jemandem, der gärtnert, die Frage, warum die Hortensie keine Blüten mehr macht. Bei jemandem, der gern kocht, das Rezept für zwölf statt für vier. Wenn die erste Antwort etwas trifft, das wirklich interessiert, ist die Sache meistens gelaufen.
Jens: Zweite Regel?
Katja: Hände weg von der Tastatur. Das ist schwer, ich weiß. Aber solange du tippst, schaut der andere nur zu. Sobald er selbst tippt, macht er es wirklich. Setz dich daneben, nicht davor.
Jens: Ich glaube, ich müsste mich auf meine Hände setzen.
Katja: Manche machen das tatsächlich. Dritte Regel: eine Frage, ein Erfolg. Nicht an einem Nachmittag Konto anlegen, App installieren, Datenschutz einstellen und fünf Anwendungen zeigen. Eine Frage stellen, eine gute Antwort bekommen, und dann aufhören, solange es schön ist.
Jens: Das finde ich fast das Wichtigste. Aufhören, solange es schön ist.
Katja: Vierte Regel: Nicht missionieren. Nichts macht Menschen so zu wie Begeisterung, die auf sie einredet. Zeig lieber etwas Kleines und Echtes. „Guck mal, den Brief an die Versicherung hab ich damit in zehn Minuten gemacht.“ Das wirkt mehr als eine halbe Stunde Vortrag.
Jens: Und sag auch, was nicht geht, oder? Gerade bei skeptischen Eltern.
Katja: Unbedingt, das ist die fünfte Regel. Sag von dir aus, dass die KI sich irren kann, dass sie manchmal Dinge erfindet und dabei sehr überzeugt klingt, und dass man Wichtiges nachprüft. Das klingt, als würdest du dir selbst ins Knie schießen. Aber genau darauf wartet der Skeptiker. Wenn du es vorher sagst, nimmst du ihm den Wind aus den Segeln. Und du wirkst glaubwürdiger.
Jens: Sechste Regel, und da bin ich jetzt mal der Wachsame: Sicherheit mitgeben. Aber ohne Angst zu machen.
Katja: Da übernimmst du, das ist ja dein Thema.
Jens: Zwei Sachen, mehr nicht. Die Postkarten-Regel: Nichts eintippen, was man nicht auch auf eine Postkarte schreiben würde. Keine Passwörter, keine Kontonummern, keine Krankheiten mit vollem Namen. Und das Familien-Codewort aus der dritten Folge: Bei Geldforderungen am Telefon auflegen, unter der bekannten Nummer zurückrufen und nach dem vereinbarten Wort fragen. Wenn ihr das an dem Nachmittag noch nicht vereinbart habt, dann ist das der perfekte Anlass.
Katja: Und siebte Regel: Einen Zettel dalassen. Die ersten drei Fragen, handschriftlich oder ausgedruckt, neben den Computer. Beim nächsten Mal muss dann niemand anrufen und fragen, wie das nochmal ging.
Die Technik ein bisschen anpassen
Jens: Gibt es auch technisch etwas, das ich vorher einrichten sollte?
Katja: Ein paar Kleinigkeiten, die viel ausmachen. Die Schrift größer stellen, im Browser oder in der App. Das Programm dort einrichten, wo die Eltern sowieso sind. Wenn sie abends mit dem Tablet auf dem Sofa sitzen, dann aufs Tablet, nicht auf den Computer im Arbeitszimmer.
Jens: Und bei der App wieder darauf achten, dass es die echte ist.
Katja: Genau. Und dann zwei Funktionen, die für viele Ältere ein echter Türöffner sind. Erstens: sprechen statt tippen. Fast alle Programme haben ein Mikrofon. Wer nicht gern tippt, erzählt einfach, was er wissen will. Zweitens: Foto statt abtippen. Den Behördenbrief abfotografieren, persönliche Daten mit dem Daumen abdecken, und fragen: „Was steht hier drin, und muss ich etwas tun?“
Jens: Das mit dem Foto hätte ich vielen Älteren gar nicht zugetraut. Aber eigentlich ist das ja einfacher als tippen.
Katja: Viel einfacher. Und dann noch eine Einstellung zum Datenschutz: Wenn ihr ein Konto anlegt, schaut gemeinsam in die Einstellungen und schaltet ab, dass die Gespräche zum Training verwendet werden. Das ist ein gutes Gefühl für beide Seiten.
Das Buch
Jens: Jetzt mal ehrlich, Katja. Das klingt alles gut. Aber viele wohnen zweihundert Kilometer von ihren Eltern entfernt. Die können nicht jedes Wochenende hinfahren und danebensitzen.
Katja: Und genau für diese Lage gibt es etwas, das ich dir wirklich ans Herz legen will. Dominik, der Mensch hinter Hallo KI, hat ein Buch geschrieben. Es heißt „Hallo KI, ChatGPT endlich verstehen“, mit dem Untertitel „für alle, die ohne Internet groß geworden sind“.
Jens: Also genau für unsere Eltern.
Katja: Genau für die. Und ich finde, das merkt man auf jeder Seite. Das Buch hat knapp dreihundert Seiten, große, gut lesbare Schrift, ruhige Seiten. Gemacht zum Lesen im Sessel, nicht am Bildschirm. Und es siezt, ganz bewusst. Es redet die Leserinnen und Leser an wie Erwachsene, die einfach noch keine Gelegenheit hatten, das zu lernen.
Jens: Was steht denn drin? Jetzt mal konkret.
Katja: Es fängt da an, wo es anfangen muss, bei der Angst. Das erste Kapitel heißt „Keine Angst vor KI“. Da wird erklärt, was die KI ist und was nicht, und die großen Sorgen werden eine nach der anderen ernst genommen. „Ich mache bestimmt etwas kaputt.“ „Das kostet heimlich Geld.“ „Was passiert mit meinen Daten?“ „Ich bin zu alt dafür.“
Jens: Die Sätze hab ich alle schon gehört.
Katja: Eben. Dann kommt die Einrichtung, Schritt für Schritt, am Computer und am Handy. Mit allem, was wir für selbstverständlich halten und was für Ältere eine Hürde ist. Wie man ein gutes Passwort anlegt und wo man es aufbewahrt. Wie man die echte App von Fälschungen unterscheidet. Wie man die Schrift größer macht, wie man diktiert und wie man ein Foto statt Abtippen nimmt.
Jens: Also das, was ich sonst am Telefon erklären würde.
Katja: Genau das. Dann ein Kapitel übers richtige Fragen, mit den vier Zutaten einer guten Frage: Was ist die Lage, was möchte ich, für wen oder wofür ist es, und in welcher Form. Das ist im Grunde das, was wir in der zweiten Folge durchgenommen haben, nur geduldig und für Einsteiger aufgeschrieben.
Jens: Und dann?
Katja: Dann kommt das Herzstück: hundert fertige Fragen für den Alltag, zum Abtippen. Sortiert in zwölf Bereiche. Haushalt und Kochen. Briefe und Behörden. Verein, Ehrenamt und Gemeinde. Erinnerungen und Familiengeschichte. Familie und Feste. Reisen und Ausflüge. Gesundheit. Garten und Hobby. Geld und Verträge. Technik im Haus. Kopf und Gedächtnis. Und Digitales und Sicherheit.
Jens: Hundert Stück. Das ist ja quasi ein Prompt-Kochbuch.
Katja: Ein schöner Vergleich. Und das Besondere: Das sind keine Spielereien. Das sind die Sätze, die im echten Leben gebraucht werden. Der Widerspruch an die Krankenkasse. Der Brief an den Vermieter wegen der Heizkostenabrechnung, freundlich im Ton, aber deutlich in der Sache. Die Beileidskarte, bei der einem seit zwei Tagen kein Satz einfällt. Die Rede zur goldenen Hochzeit.
Jens: Und dann kommt der Teil, den ich mir als Erstes angeschaut habe, weil ich da ja empfindlich bin: Sicherheit. Das ist ein eigenes großes Kapitel. Die drei Daten-Regeln. Der Enkeltrick mit nachgemachter Stimme und das Familien-Codewort. Phishing erkennen, und zwar mit der KI als Verbündetem. Falsche Online-Shops. Gefälschte Bilder und Videos. Und warum die KI sich manchmal irrt, und woran man das merkt.
Katja: Und das ist ja genau das, worum du dir die meisten Sorgen machst.
Jens: Eben. Und was ich richtig praktisch finde: fünf Schummelzettel zum Ausdrucken, für neben die Tastatur. Die ersten fünf Fragen. Die drei Daten-Regeln mit dem Familien-Codewort. Was man tut, wenn etwas nicht klappt. Die vier Zutaten einer guten Frage. Und woran man einen Betrugsversuch erkennt. Die gibt es im Buch und zusätzlich kostenlos auf der Website.
Katja: Und wie fängt man dann tatsächlich an? Lesen ist ja das eine.
Jens: Dafür gibt es am Ende einen Plan für sieben Tage. Meist eine Viertelstunde am Tag. Erst ankommen, dann etwas für die Küche, dann das Nachhaken üben, dann ein echter Brief, dann ein Sicherheits-Tag, dann etwas zum Vergnügen und am siebten Tag ein eigenes Projekt. Zu jedem Tag steht dabei, woran man merkt, dass es geklappt hat, und was man tut, wenn nicht.
Katja: Das gefällt mir. Das ist genau die Regel von vorhin: eine Frage, ein Erfolg. Nur über eine Woche verteilt.
Jens: Genau. Und durch das ganze Buch zieht sich derselbe Satz, den wir vorhin hatten: Sie können nichts kaputt machen.
Warum ein Buch und nicht nur erklären
Jens: Ich muss trotzdem den Skeptiker geben. Ein Buch über eine App? Veraltet das nicht in einem halben Jahr?
Katja: Gute Frage, und die Antwort ist ehrlich: Knöpfe und Menüs ändern sich immer mal. Aber das, worauf es ankommt, nicht. Wie man gut fragt. Dass man nachhakt. Was man nicht eintippt. Woran man Betrug erkennt. Das Buch erklärt vor allem diese Grundlagen, und die bleiben.
Jens: Und warum nicht einfach selbst erklären? Ich meine, ich kann das ja inzwischen.
Katja: Weil ein Buch etwas kann, was du nicht kannst. Es hat unendlich Geduld. Deine Eltern können in ihrem Tempo lesen, eine Seite dreimal lesen, zurückblättern, ohne dass jemand danebensitzt und seufzt. Und sie müssen sich vor niemandem blamieren. Das ist für viele der entscheidende Punkt.
Jens: Das stimmt. Vor dem eigenen Kind nicht dumm dastehen wollen, das ist ja genau das, was wir vorhin hatten.
Katja: Und für dich hat es auch einen Vorteil. Du wirst nicht zum Dauer-Kundendienst. Du bist eher der Joker. Die Grundlagen stehen im Buch, und wenn es irgendwo klemmt, rufen sie dich an, mit einer konkreten Frage statt mit „Das funktioniert alles nicht“.
Jens: Und als Geschenk? Ich meine, ein Buch über KI zum Geburtstag, ist das nicht ein bisschen, na ja, belehrend?
Katja: Kommt drauf an, wie du es schenkst. Wenn du sagst: „Hier, damit du endlich mitkommst“, dann ja. Wenn du sagst: „Ich hab da was gefunden, das ist wirklich gut erklärt, und ich komm nächste Woche vorbei, dann probieren wir die erste Frage zusammen aus“, dann ist das ein ganz anderes Geschenk. Dann sagt es: Ich will, dass du mitreden kannst. Und ich nehm mir Zeit dafür.
Jens: Also Buch plus eine verabredete Viertelstunde.
Katja: Genau das. Und auf hallo-ki.de gibt es sogar eine eigene Seite mit Ideen zum Verschenken, zum Beispiel die Schummelzettel ausdrucken und mit ins Geschenk legen.
Jens: Für wen ist das Buch denn ausdrücklich nicht?
Katja: Für alle, die ChatGPT schon täglich benutzen. Die würden sich langweilen. Es ist ein Einsteigerbuch, und das sagt es auch ehrlich. Aber für deine Eltern, deine Tante oder den Nachbarn, der immer fragt, eben schon.
Jens: Und wo bekomme ich es?
Katja: Als Taschenbuch zum Anfassen oder als E-Book. Alles dazu steht auf hallo-ki.de/buch.
Ist das sicher?
Jens: Dann noch mal kurz der Sicherheitsblock, diesmal speziell für die Eltern.
Katja: Kosten: Die kostenlose Version reicht für Einsteiger völlig. Wichtig ist nur, dass sie keine Nachahmer-App erwischen, die ein Abo verkauft. Da lohnt es sich, beim Einrichten dabei zu sein.
Jens: Daten: Postkarten-Regel, und gemeinsam die Einstellung zum Training abschalten. Und am Telefon gilt, egal wie echt die Stimme klingt: Bei Geld auflegen, zurückrufen, Codewort.
Katja: Und die Grenzen: Bei Gesundheit, Geld und Recht hilft die KI beim Vorbereiten. Entscheiden tut ein Mensch. Das ist gerade für ältere Menschen wichtig, die vielleicht dazu neigen, einer so selbstbewussten Antwort zu sehr zu glauben.
Jens: Und kaputt machen?
Katja: Kann man nichts. Das darfst du ruhig dreimal sagen.
Prompts zum Mitnehmen
Jens: Und jetzt die Prompts. Diesmal nicht für die Eltern, sondern für dich, damit das Erklären klappt.
Katja: Der erste ist meine Lieblingsübung, bevor man überhaupt hinfährt. Die Situation: Du willst üben, geduldig und verständlich zu erklären. Der Prompt: „Spiel meinen Vater. Er ist skeptisch gegenüber KI, hat Angst, etwas falsch zu machen, und kennt sich nur mit E-Mails aus. Ich übe, ihm den Einstieg zu erklären. Reagiere so, wie er realistisch reagieren würde. Sag mir am Ende, wo ich zu schnell oder zu technisch war.“
Jens: Das ist ja fies. Und gut. Warum funktioniert das?
Katja: Weil du der KI eine Rolle gibst und am Ende um ehrliche Rückmeldung bittest. So merkst du vorher, wo du in Fachsprache abrutschst.
Jens: Der zweite. Die Situation: Du suchst die richtige erste Frage für deine Eltern, eine, die wirklich zündet. Der Prompt: „Meine Mutter ist Mitte siebzig, gärtnert gern, liest Krimis und schreibt noch Briefe von Hand. Schlag mir fünf erste Fragen an die KI vor, die sie wirklich interessieren und ihr schnell ein Erfolgserlebnis bringen. Keine Technikthemen.“
Katja: Der Kniff ist die Beschreibung, ohne Namen, ohne Adresse, nur Interessen. Je genauer die Interessen, desto besser die Vorschläge.
Katja: Der dritte ist für den Zettel neben dem Computer. Die Situation: Du willst deinen Eltern eine Anleitung dalassen. Der Prompt: „Schreib mir eine Anleitung zum Ausdrucken, wie man eine Frage an ChatGPT stellt und nachhakt. Höchstens fünf Schritte, große einfache Sätze, keine englischen Wörter, in der höflichen Anrede, für jemanden, der E-Mails schreiben kann, aber noch nie eine KI benutzt hat.“
Jens: Und da ist wichtig: „höfliche Anrede“ und „keine englischen Wörter“. Sonst schreibt sie dir „Klick auf den Prompt-Button“.
Katja: Genau so.
Jens: Und der vierte ist mein Thema. Die Situation: Du willst mit deinen Eltern über Schockanrufe und ein Familien-Codewort sprechen, ohne ihnen Angst zu machen. Der Prompt: „Hilf mir, mit meinen Eltern über ein Familien-Codewort gegen Schockanrufe zu sprechen. Sie sollen sich nicht bevormundet oder verängstigt fühlen. Gib mir einen Gesprächseinstieg in drei Sätzen und zwei Antworten auf den Einwand ‚So was passiert uns doch nicht‘.“
Katja: Und ganz wichtig: Das Codewort selbst tippst du natürlich nirgends ein. Die KI hilft nur beim Gespräch.
Dein nächster Schritt
Jens: Und der nächste Schritt für diese Woche?
Katja: Such einen echten Anlass bei deinen Eltern. Einen Brief, eine Frage, ein Rezept, irgendwas, das sie gerade beschäftigt. Und verabrede eine Viertelstunde, in der sie selbst tippen und du nur danebensitzt. Eine Frage, ein Erfolg, dann aufhören.
Jens: Und die Hände bleiben unter dem Tisch.
Katja: Die Hände bleiben unter dem Tisch.
Merksatz und Verabschiedung
Jens: Wenn du aus dieser Folge nur eines mitnimmst, dann das: Ihre Frage, ihre Hände, ihr Tempo.
Katja: Und der Satz, der alles leichter macht: Du kannst nichts kaputt machen.
Jens: Wenn du willst, dass deine Eltern auch ohne dich weiterkommen: Das Buch von Dominik findest du auf hallo-ki.de/buch. Und dort gibt es auch den kostenlosen KI-Brief, jeden Sonntag eine Idee per E-Mail. Den kannst du deinen Eltern gleich mit einrichten.
Katja: In der nächsten Folge geht es ums Schreiben. Mails, Beschwerden und die Nachrichten, bei denen einem die Worte fehlen. Ich bin Katja.
Jens: Ich bin Jens. Danke fürs Zuhören. Und grüß deine Eltern.