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Folge 6 · Hallo KI – der Podcast
Papierkram ohne Kopfschmerzen
Erschienen am 08.10.202617 MinutenZum Nachlesen springen
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Ab wann läuft eigentlich die Frist auf einem Bescheid? Bei Bescheiden, Verträgen, Versicherungen und Nebenkostenabrechnungen kann die KI viel erklären, aber nicht beurteilen, ob alles stimmt. Katja und Jens zeigen dir eine sichere Reihenfolge: Frist zuerst, dann persönliche Daten schwärzen, dann fragen. Und sie sprechen darüber, wie du deinen Eltern bei ihrer Post hilfst, ohne sie zu bevormunden.
In dieser Folge:
- Erklären ja, beurteilen nein
- Erst schwärzen, dann fragen
- Die Fragen, die wirklich helfen
- Verträge, Nebenkosten, Angebote und die Falle mit der Zeit beim Widerspruch
- Die Post der Eltern
Prompts zum Mitnehmen:
Ein Schreiben liegt auf dem Tisch, die Frist hast du schon selbst gesucht, persönliche Daten sind raus:
„Ich habe dir ein Schreiben abgetippt, persönliche Angaben habe ich entfernt. Sag mir zuerst, um welche Art von Schreiben es sich handelt. Dann: Was soll ich tun, bis wann, und was passiert, wenn ich nichts tue? Wenn ich nichts tun muss, schreib das ausdrücklich. Nenne zum Schluss die drei Stellen, die ich im Original selbst nachlesen soll.“
Du sollst einen Vertrag unterschreiben oder willst wieder raus:
„Sag mir zu diesem Vertragstext: Wie lange läuft er, verlängert er sich automatisch, welche Kündigungsfrist gilt und welche Kosten fallen nicht sofort auf? Nenne zu jedem Punkt die Stelle im Text.“
Du hast zwei Handwerker-Angebote und weißt nicht, wie du sie vergleichen sollst:
„Hier sind zwei Angebote für dieselbe Arbeit. Vergleiche sie in einer Tabelle: Was ist jeweils enthalten, was fehlt, welche Positionen sind unklar formuliert? Beurteile nicht den Preis, sondern nenne mir am Ende fünf Fragen, die ich beiden Anbietern stellen sollte.“
Du willst deine Mutter oder deinen Vater bei der Post unterstützen:
„Ich möchte meine Mutter bei ihrer Post von Ämtern und Versicherungen unterstützen, ohne sie zu bevormunden. Was sollten wir gemeinsam klären, bevor ich etwas für sie erledige? Denk an Zuständigkeiten, Unterschriften und Vollmachten. Formuliere es als Gesprächsleitfaden mit Fragen, die ich ihr stellen kann.“
Das ganze Gespräch zum Nachlesen
Zum Mitlesen, Nachschlagen oder Ausdrucken. Im Podcast duzen sich Katja und Jens, deshalb steht es hier auch so. Grundlage ist das Sendeskript; in der gesprochenen Fassung kann ein Wort abweichen.
Kaltstart
Katja: Jens, kleines Quiz zum Anfang. Auf einem Bescheid steht oben ein Datum. Unten steht, du hast einen Monat Zeit für einen Widerspruch. Ab wann läuft der Monat?
Jens: Ab dem Datum oben. Wo soll er sonst anfangen?
Katja: Häufig eben nicht. Das Datum oben ist der Tag, an dem jemand den Brief geschrieben hat. Die Frist beginnt oft erst, wenn das Schreiben als zugegangen gilt. Wie genau gerechnet wird, hängt von der Art des Schreibens ab.
Jens: Ich hätte das jetzt mit voller Überzeugung falsch gemacht.
Katja: Und eine KI hätte dir womöglich genauso überzeugt ein falsches Datum ausgerechnet. Genau deshalb reden wir heute über Papierkram. Und zwar mit der Frist zuerst.
Begrüßung
Katja: Hallo und willkommen bei Hallo KI. Ich bin Katja.
Jens: Und ich bin Jens. Kurz der übliche Hinweis: Wir beide sind KI-Stimmen, die Inhalte prüft Dominik von Hallo KI. Heute geht es um Bescheide, Verträge, Versicherungen, Nebenkosten und um die Post der Eltern.
Katja: Aber erst du. Aufräum-Viertelstunde. Was stand in deinem Gedächtnis?
Jens: Weniger Dramatisches als befürchtet. Ein paar Vorlieben, dass ich kurze Antworten mag, und eine Sache, die längst nicht mehr stimmt. Die hab ich gelöscht. Dann hab ich die KI gefragt, was sie über mich vermutet. Da kamen noch ein, zwei Schlussfolgerungen dazu, die nirgends in der Liste standen. Nicht schlimm, aber aufschlussreich. Den Trainings-Schalter hab ich ausgemacht.
Katja: Und das Gedächtnis?
Jens: Bleibt an. Vorerst. Unter Beobachtung.
Katja: Sehr gut. Dann ab in den Papierstapel.
Erklären ja, beurteilen nein
Katja: Fangen wir mit dem Grund an, warum die KI hier so gut passt. Amtsdeutsch ist vor allem ein Sprachproblem. Lange Sätze, Fachwörter, Verweise auf Paragrafen. Das in normale Sprache zu übersetzen, ist genau das, was ein Sprachmodell richtig gut kann.
Jens: Und der Haken? Bei dir gibt es doch immer einen Haken.
Katja: Der Haken ist ein Unterschied, den man sich einmal klarmachen muss. Die KI erklärt dir, was in einem Schreiben steht. Sie kann nicht beurteilen, ob es richtig ist.
Jens: Wo genau ist da die Grenze?
Katja: „Was bedeutet dieser Absatz?“ ist eine gute Frage. „Ist dieser Bescheid richtig?“ ist eine schlechte. Für die zweite müsste die KI deine ganze Lage kennen, deine Unterlagen und die aktuelle Rechtslage. Sie kennt nichts davon und antwortet trotzdem. Selbstbewusst und manchmal falsch. Das ist genau das, was wir in der Folge über Halluzinationen besprochen haben.
Jens: Also: Die KI erklärt, was drinsteht. Ob es stimmt, klärt ein Mensch, der sich auskennt.
Katja: Das ist der Kern dieser Folge. Und daraus folgt eine Reihenfolge, die ich dir ans Herz lege. Erstens: Frist im Original suchen. Zweitens: persönliche Daten raus. Drittens: fragen.
Jens: Frist zuerst, bevor ich überhaupt etwas eintippe?
Katja: Ja. Wenn eine Frist drinsteht, steht sie meistens unten, oft unter der Überschrift „Rechtsbehelfsbelehrung“. Die liest du selbst, trägst sie dir in den Kalender ein, und erst dann lässt du dir den Rest erklären. Wenn dir die Berechnung unklar ist, rufst du bei der Stelle an. Die sagen dir das.
Erst schwärzen, dann fragen
Jens: Dann bin ich dran, weil Schritt zwei mein Thema ist. So ein Schreiben ist voll mit Dingen, die niemanden etwas angehen. Name, Anschrift, Geburtsdatum. Aktenzeichen, Steuer-Identifikationsnummer, Renten- oder Versichertennummer. Bei Verträgen Kunden- und Vertragsnummer, manchmal die Bankverbindung. Das alles bleibt draußen.
Katja: Und praktisch?
Jens: Beim Abtippen lässt du die Zeilen weg oder schreibst einen Platzhalter hin, zum Beispiel „Aktenzeichen X“. Beim Foto legst du ein Blatt Papier über den Briefkopf und über die Zeile mit den Nummern. Und bei einem PDF aufpassen: Da steht der Name gern auf jeder Seite in der Kopfzeile. Dann lieber nur den Abschnitt herauskopieren, um den es geht.
Katja: Guter Punkt mit dem PDF, den übersehen viele. Und das Schöne ist: Für die Erklärung braucht die KI diese Angaben überhaupt nicht. Sie erklärt, was ein Bescheid bedeutet, nicht, wer du bist.
Jens: Und der Text eines Bescheids ohne diese Angaben verrät nichts über mich. Das ist wie in der letzten Folge: Was du nie hochlädst, kann nie gespeichert werden.
Katja: Noch ein Kniff dazu. Das Foto ist oft bequemer als Abtippen, die KI liest gedruckte Schrift ziemlich zuverlässig. Aber ziemlich zuverlässig heißt nicht fehlerfrei. Bei Beträgen und Daten lohnt ein Blick, ob sie richtig gelesen wurden.
Die Fragen, die wirklich helfen
Jens: Gut. Schreiben ist geschwärzt. Was tippe ich dazu? „Was steht hier?“
Katja: Kannst du machen, dann bekommst du eine Zusammenfassung. Aber mit ein paar gezielteren Fragen kommst du viel weiter. Die erste sortiert: „Um welche Art von Schreiben handelt es sich: Mitteilung, Aufforderung, Mahnung oder Bescheid mit Rechtsbehelfsbelehrung? Woran erkennst du das?“
Jens: Warum ist das so wichtig?
Katja: Weil davon abhängt, ob überhaupt eine Widerspruchsfrist läuft. Viele Schreiben sind reine Mitteilungen, da musst du gar nichts tun. Und dazu passt die zweite Frage: „Was genau soll ich als Empfänger tun? Antworte in höchstens drei Punkten. Wenn ich nichts tun muss, schreib das ausdrücklich hin.“
Jens: Dieser letzte Satz ist Gold. Die halbe Angst vor so einem Brief ist ja, dass man nicht weiß, ob man überhaupt etwas tun muss.
Katja: Genau. Und für das eine Wort, über das du stolperst: „Erkläre mir, was das Wort Anrechnungszeit in diesem Zusammenhang bedeutet.“
Jens: „In diesem Zusammenhang“, weil so ein Begriff beim Finanzamt etwas anderes heißen kann als bei der Rentenversicherung. Das kenne ich aus dem Job, da heißt dasselbe Wort in jeder Abteilung etwas anderes. Ich hab auch noch einen, als bekennender Aufschieber. „Angenommen, ich reagiere auf dieses Schreiben gar nicht. Was passiert dann üblicherweise, in welcher Reihenfolge? Schreib dazu, was sicher ist und was nur wahrscheinlich.“
Katja: Die Aufschieber-Frage. Die ist wirklich gut.
Jens: Der Trick ist der letzte Satz. Die KI klingt ja immer sicher. Wenn ich sie zwinge, sicher und wahrscheinlich auseinanderzuhalten, muss sie ihre Unsicherheit wenigstens benennen.
Katja: Und dann mein Lieblingsanhang, den man an jede dieser Fragen hängen kann: „Nenne mir zum Schluss die drei Stellen, die ich im Original selbst nachlesen sollte.“ Dann prüfst du nicht das ganze Papier, sondern gezielt drei Stellen.
Verträge, Nebenkosten, Angebote
Jens: Auf meinem Stapel liegen ja nicht nur Briefe vom Amt. Da liegt ein Handyvertrag, eine Nebenkostenabrechnung, und irgendwann liegen da zwei Angebote vom Handwerker, die man vergleichen soll.
Katja: Beim Vertrag frag nach vier Dingen auf einmal: Wie lange läuft er, verlängert er sich automatisch, welche Kündigungsfrist gilt, und welche Kosten fallen nicht sofort auf. Mit dem Zusatz: „Nenne zu jedem Punkt die Stelle im Text.“
Jens: Damit ich nachschlagen kann.
Katja: Genau. Bei Geld, Fristen und Verträgen entscheidet der Originaltext, nicht die Antwort auf dem Bildschirm. Die Frage nach den versteckten Kosten lohnt sich besonders. Grundgebühren, Preiserhöhungen nach dem ersten Jahr, Kosten bei vorzeitiger Kündigung.
Jens: Und die Nebenkosten?
Katja: „Erkläre mir jeden Posten dieser Abrechnung in einem Satz. Und sag mir, welche Posten üblicherweise nicht auf Mieter umgelegt werden dürfen.“ Heraus kommt eine Liste auffälliger Posten, mit der du freundlich bei der Hausverwaltung nachfragst.
Jens: Nachfragen. Nicht gleich den Anwalt anrufen.
Katja: Genau. Und bei den Angeboten wird es spannend, weil da der typische Fehler lauert. Die meisten fragen: „Ist dieser Preis fair?“
Jens: Das würde ich auch fragen.
Katja: Und genau das kann die KI nicht wissen. Sie kennt weder die Preise bei dir in der Gegend noch den Zustand deiner Wohnung. Was sie gut kann: zwei Angebote nebeneinanderlegen. Was ist in dem einen enthalten, was fehlt im anderen, wo sind Positionen unklar formuliert? Das ist Spracharbeit, keine Marktkenntnis.
Jens: Also nicht „Wer ist billiger?“, sondern „Was vergleiche ich hier eigentlich?“
Katja: Schöner hätte ich es nicht sagen können. Oft stellt sich heraus, dass das günstigere Angebot einfach weniger enthält.
Jens: Und Versicherungen? Die Bedingungen liest doch kein Mensch.
Katja: Deshalb lässt du sie lesen. „Fasse zusammen: Was ist versichert, was ist ausdrücklich ausgeschlossen, welche Selbstbeteiligung gilt?“ Das sind die drei Dinge, auf die es im Ernstfall ankommt. Und wer mehrere Versicherungen hat, kann ohne Namen und Nummern fragen, wo sich solche Bereiche üblicherweise überschneiden. Das prüfst du danach in deinen Unterlagen.
Widerspruch: die Falle mit der Zeit
Jens: Jetzt der ernste Teil. Ich halte einen Bescheid für falsch und will widersprechen. Aber ich hab noch keine Begründung zusammen. Dann bitte ich doch erst mal um mehr Zeit, oder?
Katja: Und genau das ist die Falle. Eine Widerspruchsfrist steht im Gesetz. Die kann dir niemand verlängern, auch die Behörde nicht. Sie läuft weiter, während du auf eine Antwort wartest.
Jens: Das heißt, meine höfliche Bitte um Aufschub kostet mich im schlimmsten Fall den Widerspruch?
Katja: Genau. Um Verlängerung bitten kannst du nur bei Fristen, die dir eine Behörde selbst gesetzt hat, etwa zum Nachreichen von Unterlagen. Beim Widerspruch gilt: erst einlegen, dann nachdenken. Ein Widerspruch braucht keine Begründung, um wirksam zu sein. Ein einziger Satz genügt: „Hiermit lege ich Widerspruch gegen den Bescheid vom soundsovielten ein.“ Die Begründung reichst du in Ruhe nach.
Jens: Und das schicke ich per E-Mail?
Katja: Besser nicht. Schick so etwas auf Papier mit deiner Unterschrift, am besten als Einwurf-Einschreiben. Bei Bescheiden von Renten-, Kranken- oder Pflegekasse genügt eine einfache E-Mail derzeit nicht. Und nach einem Urteil des Bundessozialgerichts wird so ein Widerspruch auch dann nicht gültig, wenn die Behörde darauf antwortet. Welche Wege erlaubt sind, steht unten in der Rechtsbehelfsbelehrung.
Jens: Das hätte ich nie gedacht. Man bekommt eine Antwort und glaubt, alles ist gut.
Katja: Deshalb sag ich es so deutlich. Und hier kann die KI tatsächlich helfen, beim Formulieren. Ein kurzes Schreiben: Widerspruch, Datum und Aktenzeichen als Lücke, Begründung wird nachgereicht, Bitte um Empfangsbestätigung. Fünf Sätze, fertig.
Jens: Und wenn es um richtig viel geht? Rente, Wohnung, Pflege?
Katja: Dann gehst du mit dem Entwurf zu einem Menschen. Sozialverband, Verbraucherzentrale, Mieterverein oder Anwalt. Die Beratung ist dort oft kostenlos. Und da wird die KI zur besten Vorbereitung, die es gibt. Du schreibst ihr in ungeordneten Stichworten, was passiert ist, und bittest um eine Darstellung in zeitlicher Reihenfolge, ohne Wertungen, höchstens eine halbe Seite.
Jens: Aus dem Ärger im Kopf wird ein ordentliches Blatt. Und dazu lasse ich mir fünf Fragen für die Beratung aufschreiben. Dann komme ich nicht mit einem Stapel an, sondern mit einer Übersicht. Das spart mir Zeit und der Beraterin auch.
Katja: Genau so. Und wenn du am Ende selbst antworten musst, lässt du dir den Antwortbrief entwerfen. Du beschreibst deine Lage in normalen Sätzen, so wie du es einer Freundin erzählen würdest. Das Amtsdeutsch übernimmt die KI.
Jens: Da hab ich immer eine Sorge. Dass so ein Entwurf klingt, als würde ich um einen Gefallen betteln. Viel zu unterwürfig.
Katja: Dann sag es ihr genau so: „Freundlich, aber bestimmt. Ich möchte nicht betteln.“ Das wirkt erstaunlich gut.
Jens: Und Name, Adresse und Aktenzeichen setze ich erst hinterher im Schreibprogramm ein. Und wenn die Frist bald abläuft, warte ich nicht auf den perfekten Brief, sondern rufe sofort an. Der schöne Brief kann warten, die Frist nicht.
Katja: Apropos anrufen: Da antwortet dir inzwischen oft selbst eine KI. Viele Firmen setzen im Kundendienst solche Programme ein.
Jens: Ich weiß. Und wenn die sich im Kreis dreht, hilft ein einziger Satz: „Ich möchte mit einem Mitarbeiter sprechen.“ Das wirkt meistens. KI zum Vorbereiten, Mensch zum Entscheiden, das gilt auch in der Warteschleife.
Die Post der Eltern
Jens: Und dann gibt es ja noch eine zweite Kommode. Die bei den Eltern.
Katja: Oh ja. Wo der Stapel manchmal noch höher ist.
Jens: Wer Eltern um die achtzig hat, kennt das. Man sitzt beim Besuch da, und irgendwann kommt der Satz: „Guck doch mal eben.“ Und plötzlich ist man für die Krankenkasse, die Rentenversicherung und den Stromanbieter zuständig.
Katja: Und da sehe ich zwei Fehler, die sehr oft passieren. Der erste: Man nimmt einfach alles mit und erledigt es. Das ist lieb gemeint, aber es nimmt den Eltern etwas weg.
Jens: Und der zweite?
Katja: Man fotografiert die Post der Eltern und lädt sie hoch, ohne zu fragen. Das sind ihre Daten, nicht deine. Da gilt dieselbe Regel wie für dich: erst schwärzen. Und vorher fragen, ob das für sie in Ordnung ist.
Jens: Das zweite hätte ich wahrscheinlich gemacht, ohne darüber nachzudenken. Aus reiner Hilfsbereitschaft.
Katja: Deshalb lohnt sich ein Gespräch, bevor man den ersten Umschlag öffnet. Wer kümmert sich um welche Post? Wer darf was unterschreiben? Und wo braucht es vielleicht eine Vollmacht? Die KI kann dir dafür eine Gesprächsgrundlage vorbereiten. Einen Satz dazu hab ich gleich bei den Prompts.
Jens: Und bei Vollmachten sind wir wieder im Bereich, wo ein Mensch ran muss.
Katja: Absolut. Die KI kann erklären, worin sich eine Vollmacht für eine einzelne Angelegenheit von einer Vorsorgevollmacht unterscheidet. Aber aufsetzen lässt man so etwas mit Beratung.
Ist das sicher?
Jens: Ist das sicher? Kosten: nichts. Die kostenlose Version reicht für alles, was wir heute besprochen haben. Keine dieser Fragen bestellt etwas, verschickt etwas oder löst eine Zahlung aus. Und Daten: Alles, was du eintippst oder hochlädst, landet beim Anbieter. Also Namen, Anschrift, Geburtsdatum, Aktenzeichen, Steuer-Identifikationsnummer, Versicherten-, Kunden- und Vertragsnummern, Bankverbindung: raus. Bei den Eltern erst recht, und nur mit ihrem Einverständnis.
Katja: Kaputt machen kannst du auch nichts. An deinem Bescheid ändert sich durch eine Frage nichts, und abgeschickt wird nur, was du selbst abschickst.
Jens: Und die Grenze?
Katja: Die KI ist keine Rechtsberatung. Sie hilft beim Verstehen und Formulieren. Fristen liest du im Original. Jeden Entwurf liest du vor dem Absenden komplett und prüfst jede Zahl und jedes Datum. Und bei Rente, Wohnung, Pflege oder Einkommen entscheidest du zusammen mit einem Menschen vom Fach.
Jens: Und die Frist läuft weiter, egal wie schön dir die KI alles erklärt.
Prompts zum Mitnehmen
Katja: Zum Mitnehmen. Mein erster ist der Allzweck-Satz für jedes Schreiben, das auf dem Tisch landet. Die Frist hast du vorher selbst gesucht, die persönlichen Daten sind raus. Dann: „Ich habe dir ein Schreiben abgetippt, persönliche Angaben habe ich entfernt. Sag mir zuerst, um welche Art von Schreiben es sich handelt. Dann: Was soll ich tun, bis wann, und was passiert, wenn ich nichts tue? Wenn ich nichts tun muss, schreib das ausdrücklich. Nenne zum Schluss die drei Stellen, die ich im Original selbst nachlesen soll.“
Jens: Warum funktioniert der so gut?
Katja: Weil er eine feste Reihenfolge vorgibt und mit einer Prüfliste endet. Du bekommst nicht nur eine Erklärung, sondern auch den Hinweis, wo du nachkontrollieren musst.
Jens: Mein erster ist für Verträge. Du sollst etwas unterschreiben oder willst wieder raus. „Sag mir zu diesem Vertragstext: Wie lange läuft er, verlängert er sich automatisch, welche Kündigungsfrist gilt und welche Kosten fallen nicht sofort auf? Nenne zu jedem Punkt die Stelle im Text.“
Katja: Der Kniff?
Jens: Die Fundstelle. Die KI muss sich auf den Text festlegen, und ich kann in einer Minute prüfen, ob es stimmt. Ohne Fundstelle glaube ich ihr nichts mehr.
Katja: Zweiter von mir. Du hast zwei Angebote vom Handwerker und weißt nicht, wie du sie vergleichen sollst. „Hier sind zwei Angebote für dieselbe Arbeit. Vergleiche sie in einer Tabelle: Was ist jeweils enthalten, was fehlt, welche Positionen sind unklar formuliert? Beurteile nicht den Preis, sondern nenne mir am Ende fünf Fragen, die ich beiden Anbietern stellen sollte.“
Jens: „Beurteile nicht den Preis.“ Das ist der Satz, der den Unterschied macht.
Katja: Genau. Er hält die KI von dem fern, was sie nicht wissen kann, und lenkt sie auf das, was sie gut kann.
Jens: Und mein letzter, für die Post der Eltern. „Ich möchte meine Mutter bei ihrer Post von Ämtern und Versicherungen unterstützen, ohne sie zu bevormunden. Was sollten wir gemeinsam klären, bevor ich etwas für sie erledige? Denk an Zuständigkeiten, Unterschriften und Vollmachten. Formuliere es als Gesprächsleitfaden mit Fragen, die ich ihr stellen kann.“
Katja: Schön, weil es als Gespräch gedacht ist und nicht als Übernahme.
Jens: Genau das ist der Kniff. Das Ergebnis sind Fragen an die Mutter oder den Vater, keine Anweisungen.
Dein nächster Schritt
Katja: Dein nächster Schritt: Nimm dir ein Schreiben vor, das seit einer Weile halb gelesen herumliegt. Deins oder, mit Erlaubnis, eines deiner Eltern. Erst die Frist im Original suchen. Dann die persönlichen Daten raus. Dann der Allzweck-Satz von eben.
Jens: Und die drei Stellen, die sie mir nennt, schlage ich danach im Original nach.
Katja: Genau. Zehn Minuten, und du weißt, ob es dringend ist. Das allein nimmt dem Stapel viel von seinem Schrecken.
Jens: Ich hab da einen Kandidaten. Die Versicherungspost, die seit Wochen auf dem Schreibtisch liegt.
Merksatz und Verabschiedung
Katja: Wenn du aus dieser Folge nur eins mitnimmst: Frist zuerst, dann schwärzen, dann fragen.
Jens: Und die KI erklärt, was drinsteht. Ob es stimmt, klärt ein Mensch, der sich auskennt.
Katja: Diese Folge beruht übrigens auf einem der KI-Briefe von Dominik. Die kommen jeden Sonntag per E-Mail, kostenlos, mit einer Idee für den Alltag. Anmelden kannst du dich unter hallo-ki.de/newsletter. Da wird gesiezt, und ehrlich gesagt ist das auch schön für die Eltern.
Jens: In der nächsten Folge geht es um die Frage, die mir am Kaffeetisch am häufigsten gestellt wird: Welche KI nehm ich denn? ChatGPT, Gemini, Copilot, oder der bunte Kreis in WhatsApp. Ich bin Jens.
Katja: Ich bin Katja. Viel Erfolg mit dem Stapel. Bis bald.